Städte und Gemeinden

Chřibská
(Kreibitz)

Ortszentrum mit der St. Georgskirche - Blick von Süden.
Ortszentrum mit der St. Georgskirche - Blick von Süden.

Chřibská ist eine Stadt im Vorland des Lausitzer Gebirges, das im breiten Tal des Chřibská Kamenice- (Kamnitz-) Baches etwa 8 km nordöstlich von Česká Kamenice (Böhmisch-Kamnitz) und 6 km südlich von Krásná Lípa (Schönlinde) liegt. Sie ist an allen Seiten von bewaldeten Bergen umgeben, und hat sich dank ihrer Lage an der Grenze des Lausitzer Gebirges und des Nationalparkes České Švýcarsko (Böhmische Schweiz) zu einer vielbesuchten Sommerfrische entwickelt. Zur Stadt gehören auch die Nachbarorte Dolní Chřibská (Niederkreibitz), Horní Chřibská (Ober-Kreibitz) und Krásné Pole (Schönfeld), mit denen sie heute eine zusammenhängende Gemeinde darstellt. Zum 1. Januar 2011 lebten hier 1455 Einwohner.

Geschichte

Stadtplatz mit der St. Georgskirche im Hintergrund.
Stadtplatz mit der St. Georgskirche im Hintergrund.

Über die Gründung von Chřibská (Kreibitz) hat sich keine Nachricht erhalten, sie entstand aber höchstwahrscheinlich im Laufe der Kolonisierung des Grenzwaldes im 13. oder 14. Jahrhundert. Die älteste schriftliche Nennung der Gemeinde stammt aus dem Jahr 1352, in dem sie als Krypczicz im Register des päpstlichen Kirchenzehnten angeführt ist. Der Name sollt vom slavischen Ausdruck Krzywycza stammen, der einen zickzack sich windenden Bach bezeichnen sollte. Dem heutigen tschechischen Namen Chřibská kann man zum ersten Male erst im Jahr 1847 begegnen; es hat ihn der tschechische Historiker Palacký aus dem alttschechischen Ausdruck „chřib“ (= Hügel) gebildet, der den hügeligen Charakter der umgebenden Landschaft ausdrücken sollte.
Gegründet wurde Chřibská (Kreibitz) offensichtlich als typisches Hufendorf, das aus grossen Bauerngütern bestand, zu denen mehr oder weniger regelmässig ausgemessene Felderstreifen gehörten. Die Höfe standen weiter vom Bach entfernt, an dessen Ufern ein freier Streifen (die Gemeindeflur) gelassen wurde, der zur Viehweide benutzt wurde. Anfangs war offensichtlich nur der untere, ungefähr bis zur heutigen Kirche reichende Teil des Dorfes besiedelt und erst mit der Entwicklung des Handwerks seit der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts wurden am Bach nicht nur innerhalb des Dorfes, sondern auch im oberen Teil des Tales oberhalb der Kirche Häusleranwesen erbaut.
Im Jahre 1383 bekam die Gemeinde ihr erstes schriftlich nachgewiesenes Privilegium von Johann III. von Michalovice. Als der aber später in Schulden geriet, kaufte von ihm im Jahre 1406 Hynek Berka, dem damals die angrenzende Herrschaft Tollenstein gehörte, die Stadt Česká Kamenice mit dem Dorf Chřibská. Unter Hynek Berkas Herrschaft wurde Chřibská zum Markt erhoben, was schriftlich im Jahre 1428 nachgewiesen ist, als die Herren von Wartenberg die Herrschaft kauften. Durch diese Erhöhung des mittleren Teiles der Ansiedlung zum Markt wurden von der ursprünglich einheitlichen Gemeinde die beiden Dörfer Dolní und Horní Chřibská (Unter- und Oberkreibitz) abgetrennt.
Im Jahre 1481 kam die Herrschaft Kamnitz an die Herren von Schleinitz, die sich bemühten, diesen durch die vorhergehenden Kriege stark verwüsteten Besitz zu fördern. Sie unterstützten deshalb Handel und Handwerk, und interessierten sich auch um Bergbau, mit dem sie aber keinen grösseren Erfolg hatten. Im Jahre 1500 erbaute sich die brauberechtigte Bürgerschaft in Chřibská (Kreibitz) eine Bierbrauerei, in der aber nur bis 1590 Bier gebraut wurde. Unter dem Besitz derer von Schleinitz entstand in Horní Chřibská (Oberkreibitz) eine Glashütte, deren Bestand mit Sicherheit im Jahre 1504 bestätigt ist. Diese Glashütte blieb im Besitz der Familie Friedrich bis zum Jahre 1689; später wechselte sie mehrmals den Besitzer, unter denen nach 1742 die Familie Kittel die bekannteste war. Die Hütte war bis 2007 fast ununterbrochen in Betrieb.
Zur Stadt wurde Kreibitz offensichtlich erst im Jahre 1570 erhoben, als ihr Kaiser Maximilian II. das Recht verlieh, ein Stadtwappen zu führen. Trotzdem wurde sie niemals zum Sitz einer Feudalherrschaft und blieb eine offene Stadt ohne Mauern und Toren. Zu ihrer Verteidigung hatte sie das Privilegium einer Bogenschützenzunft und seit 1596 einer Schützengesellschaft erhalten. Im Jahre 1609 wurde in der Stadt ein städtisches Spital gegründet. Vier Jahre später kaufte Radslav der Ältere von Vchinitz und Tetow die Herrschaft Kamnitz mit Chřibská und im Besítz dieser Adelsfamilie blieb die Stadt bis zur Aufhebung der obrigkeitlichen Verwaltung im Jahre 1848.

Brücke mit der Statue des hl. Johann v Nepomuk in der Mitte des Stadtplatzes.
Brücke mit der Statue des hl. Johann v Nepomuk in der Mitte des Stadtplatzes.

Im dreissigjährigen Kriege hat die Stadt viel gelitten. Im Jahre 1633 zog das Heer Wallensteins durch die Stadt, in den Jahren 1639 und 1648 wurde sie von den Schweden geplündert. Im Jahre 1654 waren in Chřibská 141 Häuser, aber mit dem nachfolgenden Aufschwung der handwerksmässigen Produktionsgewerbe begannen in der Bachaue schnell weitere Häuser aufzuwachsen. Im Jahre 1661 entstand in Chřibská eine Zunft der Glasveredler, die ursprünglich nur die Glasmaler, seit 1669 aber auch Graveure, Schleifer und andere glasverarbeitende Handwerker vereinigte. Neben der Glasindustrie verbreitete sich auch die Weberei, die zuerst als Heimarbeit geführt und später nach 1786 in stetig wachsendem Ausmasse auch fabriksmässig betrieben wurde. Bis zum Jahr 1765 bestand im Städtchen ein Blutgericht 4. Klasse, dessen Urteile nach der lokalen Überlieferung auf dem nahen Berg Spravedlnost (Irigtberg) ausgeführt worden sind.
Die Stadt wurde auch von Naturkatastrophen heimgesucht. Nach langandauernden Regengüssen riss am 12. April 1705 der Damm des Velký Jedlovský rybník (Grosser Tannteich) und die dabei entstandene Flutwelle forderte unter den Stadtbewohnern 5 Menschenleben und verursachte grosse materielle Schäden. In den Jahren 1736 und 1766 entstanden hier auch grössere Brände. In den Kriegsjahren 1757 und 1778 kam es in der Umgebung von Chřibská zu mehreren preussisch-österreichischen Zusammenstössen. Am 21. September 1779 besuchte Kaiser Josef II. die Stadt im Rahmen seiner Inspektionsreisen. Zuerst ritt er durch die Stadt auf den Gipfel des Jedlová-Berges (Tannenberg), von wo er über Tolštejn (Tollenstein), Křížová hora (Kreuzberg) und Horní Podluží (Obergrund) nach Krásná Lípa (Schönlinde) ritt und dann zur Nacht nach Chřibská zurückkehrte. Am zweiten Tage setzte er seine Reise über Líska (Hasel) und Kunratice (Kunnersdorf) nach Dolní Kamenice (Unter-Kamnitz) fort. Während des Feldzuges nach Böhmen im Jahre 1866 übernachtete In Chřibská auch die preussische Armee.

Der Turm der St. Georgskirche und der Weg zum Friedhof.
Der Turm der St. Georgskirche und der Weg zum Friedhof.

Im Jahre 1869 erreichte Chřibská mit 1921 Einwohnern ihre höchste Einwohnerzahl und zusammen mit Horní und Dolní Chřibská (Ober- und Unterkreibitz) hatte Kreibitz damals über 5000 Einwohner. Ausser der Glashütte und den mit ihr zusammenhängenden glasverarbeitenden Handwerken bestanden in der Stadt auch mehrere Textilfabriken und Textilmanufakturen. Nach 1830 verbreitete sich hier die Herstellung von Zwirnen, Nähseide und Garnen, ein Jahr später wurde an der Strasse nach Rybniště (Teichstatt) eine neue Bierbrauerei gebaut und 1884 entstand in Dolní Chřibská (Nieder-Kreibitz) eine Gewürzmühle. In der Umgebung der Stadt arbeiteten auch mehrere Ziegeleien: Kettners Ziegelscheuer stand an der linken Seite der Strasse nach Rybniště (Teichstatt), weitere zwei waren in Krásné Pole (Schönfeld) und in Dolní Chřibská (Nieder-Kreibitz).
Eine Schule wird in Chřibská (Kreibitz) zum ersten Male bereits 1527 erwähnt und schon im Jahre 1605 wurde in der Gasse unterhalb des Stadtplatzes das erste bekannte Schulhaus erbaut, in der bis ins Jahr 1857 unterrichtet worden ist. Dann wurde auf dem Stadtplatz unterhalb der Kirche ein neues Schulgebäude erbaut, das feierlich am 8. Mai 1859 eröffnet wurde. 50 Jahre später konnte auch diese Schule nicht mehr die Anzahl der Kinder aufnehmen und man entschied sich, ein neues Schulgebäude an der Strasse nach Horní Chřibská (Oberkreibitz) zu bauen. Den Bau begann der hiesige Baumeister August Hermann im Jahr 1908 und schon am 12. September 1909 wurde die grosse zweistöckige, im Sezessionsstil erbaute „Kaiser Franz-Josef-Volks- und Bürgerschule“ feierlich eingeweiht. Ihr Name erinnert an den 60. Jahrestag des Regierungsantritts Kaiser Franz Josefs. Am 14. November 1919 wurde in diesem Gebäude auch eine einklassige tschechiche Schule eröffnet, die 5 Jahre später zu einer zweiklassigen erweitert wurde; im Jahre 1927 wurde auch noch ein Kindergarten dazu eingerichtet.

Zur Versorgung mit Wasser wurde bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts der Brunnen auf dem Stadtplatz benutzt, in den das Wasser durch eine hölzerne Wasserleitung aus der im Stadtwald an der Strasse nach Česká Kamenice liegenden Kamenný pramen (Steinborn-Quelle) geführt wurde. Im Jahr 1904 wurde dann in Kreibitz eine Wasserleitung gebaut, die die ausgiebigen Quellen an den Südhängen des Hřebec-Berges (Schindelhengst) ausnützte. Im Jahre 1908 wurde in Chřibská (Kreibitz) die öffentliche Gasbeleuchtung eingeführt und schon zwei Jahre später bekam die Stadt eine elektrische Strassenbeleuchtung. In den Jahren 1883, 1897 und 1925 wurde die Stadt von Überschwemmungen heimgesucht. Zum Schutz gegen diese Gefahr wurde zwischen 1912 und 1926 im Tal oberhalb von Horní Chřibská (Ober-Kreibitz) ein Staudamm erbaut, der heute auch zur Versorgung der Stadt mit Trinkwasser dient.

Der nordöstliche Teil des Stadtplatzes mit der St. Georgskirche und dem unter Denkmalschutz stehenden Haus No. 10.
Der nordöstliche Teil des Stadtplatzes mit der St. Georgskirche und dem unter Denkmalschutz stehenden Haus No. 10.

Nach der Vertreibung der ursprünglichen deutschen Bevölkerung in den Jahren 1945 und 1948 kam es in der Stadt zu einer deutlichen Bevölkerungsabnahme. Während im Jahre 1930 Chřibská (Kreibitz) 1600 Einwohner hatte, lebten 1947 hier nur noch 626 Einwohner. Die Bestrebungen zu einer Wiederbesiedlung waren nicht besonders erfolgreich, weil eine ganze Reihe der Neuansiedler sich ausschliesslich um den Besitz, den die Deutschen hierlassen mussten, interessierte. Die Fabriken, in denen es gelang, die Produktion weiterzuführen, wurden bald geschlossen und ihre Ausstattung wurde weggeführt. Schon im Jahre 1946 wurde auch die hiesige Bierbrauerei geschlossen, deren Gebäude dann verfielen, bis man sie im Jahre 1975 abriss. Auch die verlassenen Wohnhäuser verfielen oder wurden von Wandalen ausgeraubt und am Ende wurden auch sie abgerissen. Die grössten Demolitionen wurden in den Jahren 1955, 1956 und 1967 durchgeführt, wobei im Stadtzentrum ganze zusammenhängende Reihen einstöckiger Häuser verschwanden, die dem Ortszentrum einen städtischen Charakter gegeben hatten. Abgerissen wurden auch viele kleinere Umgebindehäuser.
Seit 1989 verbessert sich das Aussehen der Stadt allmählich. Viele der vernachlässigten und verwahrlosten Häuser erlebten ihre Erneuerung und im Orte selbst begannen sich auch private Handwerksbetriebe, Geschäfte, Gasthäuser und Unterkünfte zu regen. Eine ganze Reihe von Produktionsstätten ist aber verschwunden und im Jahre 2007 wurde auch die Glasfabrik in Horní Chřibská, die älteste ununterbrochen arbeitende Glasfabrik Mitteleuropas, geschlossen.

Denkmäler und Merkwürdigkeiten

Blick auf die St. Georgskirche vom Norden.
Blick auf die St. Georgskirche vom Norden.

Die Dominante von Chřibská (Kreibitz) ist die am Hange über dem Stadtplatz stehende, dem St. Georg geweihte Kirche. Die ursprünglich hölzerne Kirche, die vielleicht aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts stammte, wurde 1596 zu einer steinernen Kirche umgebaut; im Jahre 1670 wurde sie nochmals in Stand gesetzt und ihren jetzigen neugotischen Charakter erhielt sie im Jahre 1901. Dieser dreischiffige Bau mit einem dreiseitig abgeschlossenen Presbyterium besitzt einen eingebauten dreiseitigen Chor, dessen Gewölbe mit gemalten Szenen aus dem Leben St. Georgs aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts ausgeschmückt ist. Der Hauptaltar und die Seitenaltäre der hl. Jungfrau Maria und des hl. Antonius von Padua stammen aus der neuesten Zeit, die barocke Kanzel mit den gemalten Gestalten Christi, des hl. Georg und der Apostel stammen aus der Zeit um 1670. Im Presbyterium befinden sich barocke Statuen der hl. Apostel Peter und Paul, des hl. Ägidius und eines hl. Bischofs aus dem 18. Jahrhundert, weitere Standbilder im Kirchenschiff stammen aus der Rokokozeit. In die Wände des Presbyteriums wurden einige Grabsteine aus dem Ende des 16. und 17. Jahrhunderts eingesetzt. An der Westseite der Kirche steht ein dreistöckiger prismatischer Turm, der im Jahre 1649 erhöht und im 19. Jahrhundert neu hergerichtet worden ist. Im Glockenturm, der mit einem Zwiebeldach gedeckt ist, hängen zwei Glocken aus den Jahren 1460 und 1598. Die jüngere, vom Prager Glockengiesser Brikcius von Cinperk hat tschechische Inschriften und ist mit einem Relief der Kreuzigung mit hl. Johann und Maria geschmückt. In den Jahren 1999-2002 hat die Kirche eine umfangreiche Renovierung durchgemacht.
Neben der Kirche steht das barocke Gebäude der ehemaligen Pfarrei, über deren steinernem Portale sich das Kinskysche Familienwappen mit der Jahreszahl 1726 befindet.

Innenansicht der St. Georgskirche.
Innenansicht der St. Georgskirche.
Die ehemalige Pfarre neben der Kirche.
Die ehemalige Pfarre neben der Kirche.

Die Kirche war früher von einem Friedhof umgeben, der zum Ende des 19. Jahrhunderts aufgelassen wurde. In seinem oberen Teile stand die 1875 eingeweihte, nach dem 2. Weltkrieg beschädigte und endlich im Jahre 1987 ganz abgerissene pseudogotische Gruft der Familie Tschinkel aus Krásné Pole (Schönfeld). In der Umfassungsmauer des Friedhofes befinden sich viele Grabsteine, darunter auch der Grabstein des Besitzers der Glashütte Anton Kittel aus dem Jahre 1820. Zwei Grabsteine aus der Renaissancezeit wurden in die Aussenwände der Kirche eingesetzt: an der Nordseite steht das Grabmal des ehemaligen Bürgermeisters Georg Lumpe aus dem Jahre 1688 und an der Ostseite der Sakristei ein weiterer Grabstein von 1646. An der Südostseite der Kirche wurde 1924 eine grosse Gedenktafel mit den Namen der Gefallenen des 1. Weltkrieges eingesetzt, und unweit von ihr steht eine von Eduard Lehmann initiierte Gedenksäule zum Andenken an die Gefallenen der Kriegsjahre 1849, 1859, 1864 und 1866, die am 18. Juli 1875 eingeweiht worden ist.

Grabplatte aus dem Jahr 1688 an der Nordwand der Kirche.
Grabplatte aus dem Jahr 1688 an der Nordwand der Kirche.
Denkmal der Gefallenen der Kriege 1849 - 1866.
Denkmal der Gefallenen der Kriege 1849 - 1866.
Westlicher Teil des Kreuzganges vor der Kirche.
Westlicher Teil des Kreuzganges vor der Kirche.

Vor der Kirche befindet sich ein zweiarmiger Kreuzweg mit vier Eckenkapellen, der in der Mitte von einem breiten Eingang unterbrochen ist. Der Anstoss zu seinem Bau stammt vom Franziskaner Rudolf Horn, der zu ihrem Bau im Jahre 1736 die Bewilligung vom Papst Klemens XII. erhalten hatte. Der Bau begann aber wegen der Kriegswirren und -Nöten erst 1760. In den Kapellen wurden gemalte Rokoko-Altäre aufgestellt und im Kreuzgang hingen 14 Bilder des Kreuzweges in geschnitzten Rokoko-Rahmen, die am 22. Oktober 1769 eingeweiht worden sind. In die Aussenwand der an der rechten Seite des Einganges stehenden Kapelle liess Eduard Lehmann 1898 eine Tafel zum Gedenken anm den kroatischen Grenzjäger Jakob Mitere einsetzen, der im hiesigen Spitale an den Folgen der Verwundungen, die er im Gefecht mit den Preussen bei Dolní Chřibská (Nieder-Kreibitz) im August 1778 erlitten hatte, gestorben ist. Im Sommer des Jahres 1909 wurde der Kreuzweg erneuert, aber in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts verwahrloste er wieder und wird jetzt schrittweise rekonstruiert.

Westseite des Stadtplatzes.
Westseite des Stadtplatzes.

Unterhalb der Kirche befindet sich ein unregelmässiger Stadtplatz, in dessen Mittelpunkt seit 1730 eine altehrwürdige steinerne Brücke mit den barocken, 1751 und 1752 vom Bildhauer Franz Werner aus Sloup (Bürgstein) verfertigten Statuen des hl. Johann v Nepomuk und der Jungfrau Maria steht. In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts musste diese von schweren Fahrzeugen beschädigte Brücke durch eine neue ersetzt werden, die noch später (1976) bei der Verbreiterung der Strasse weiter umgebaut wurden musste. Dabei wurden die beiden Statuen nach Česká Kamenice (Böhmisch-Kamnitz) verführt, von wo sie später zurückkamen und eine Reihe von Jahren auf dem aufgelassenen Friedhofe hinter der Kirche aufgestellt waren. Im Jahre 2005 wurden sie auf neue Sockel an beide Seiten der erneuerten Brücke übertragen und wurden so wieder zum Schmuck des Stadtplatzes. Im westlichen Teile des Stadtplatzes steht ein kleiner achteckiger Brunnen aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts, auf dessen Oberteil am 28. September 2013 die Statue des hl. Georg, des Patrones der Stadt, von Monika Havlíčková feierlich enthüllt wurde.

Der hl. Johann v. Nepomuk auf dem Stadtplatz.
Der hl. Johann v. Nepomuk auf dem Stadtplatz.
Brunnen mit der Statue des hl. Georg.
Brunnen mit der Statue des hl. Georg.
Muttergottes-Statue am Stadtplatz.
Muttergottes-Statue am Stadtplatz.

An der Südostseite des Stadtplatzes steht das neugotische Gebäude des früheren Rathauses, das 1872 an der Stelle des älteren aus dem Ende des 16. Jh. erbaut worden ist. An der Stirnwand des neuen Gebäudes stand ursprünglich ein Turm, der aber wegen Rissen in der Decke abgetragen werden musste. Neben dem Rathause steht das Geburtshaus des bedeutenden Naturforschers und Forschungsreisenden Thaddäus Haenke (1761-1817); an der Stirnwand dieses Hauses wurde am 30. August 1885 feierlich eine etwa 2 m hohe Marmor-Gedenktafel mit seiner vom Bildhauer F. W. Fischer gearbeiteten Reliefbüste enthüllt. 1961 wurde die Tafel durch eine kleinere Gedenktafel mit tschechischem Text ergänzt. Seit 2002 befindet sich im oberen Stockwerk dieses Hauses ein der Geschichte der Stadt und dem Leben Th. Haenkes gewidmetes Museum.

Ehemaliges Rathaus und Geburtshaus Th. Haenkes.
Ehemaliges Rathaus und Geburtshaus Th. Haenkes.
Thaddäus Haenke-Gedenktafel.
Thaddäus Haenke-Gedenktafel.
Einstöckige Häuser in der Gasse unter dem Stadtplatz.
Einstöckige Häuser in der Gasse unter dem Stadtplatz.

In Chřibská (Kreibitz) hat sich bis heute eine Reihe interessanter, meistens aus der 2. Hälfte des 18. und der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts stammender Häuser erhalten. Unmittelbar am Stadtplatz stehen einige steinerne historisierende Häuser. Unter Denkmalschutz steht z. B. das im Hange vor der Kirche stehende Haus No. 10 mit seinem Mansardendach und einem geschmückten Eingangsportal. In den Gassen um den Stadtplatz herum kann man einstöckige, halb gemauerte oder gezimmerte Faktorenhäuser, oft mit klassizistischer Holzverschalung sehen, deren Giebel mit reichen Dachschiefer-Ornamenten geschmückt sind. Ausserhalb des Stadtzentrums befindet sich eine grosse Anzahl typischer volkstümlicher Häuser mit Blockwand- Erdgeschoss, das von einem Umgebinde-Rahmen umgeben ist, auf dem die Dachkonstruktion oder das Zimmer- oder Fachwerkobergeschoss gegründet ist. Unter Denkmalschutz steht z. B. das in der Gasse hinter dem Gemeindeamt stehende einstöckige Haus No. 182 mit Mansardendach. Die meisten volkstümlichen Häuser haben sich in Dolní Chřibská erhalten.

Die Schule an der Strasse nach Horní Chřibská (Ober Kreibitz).
Die Schule an der Strasse nach Horní Chřibská (Ober Kreibitz).

An der nach Horní Chřibská (Ober-Kreibitz) führenden Strasse steht das monumentale zweistöckige Haus der Schule, die in den Jahren 1908-1909 vom hiesigen Baumeister August Hermann erbaut worden ist. Sie wurde feierlich am 12. September 1909 eingeweiht und bekam zum 60. Jahrestage des Regierungsantrittes des Kaisers den Namen Kaiser Franz Josef-Volks- und Bürgerschule. In den 90. Jahren des 20. Jahrhunderts wurde sie rekonstruiert. Etwa 200 m südöstlich der Schule steht eine kleine Kapelle mit quadratischem Grundriss aus dem Jahre 1832.

Bedeutende Landsleute und Persönlichkeiten

In Chřibská wurde der Forschungsreisende und Naturwissenschaftler Thaddäus Haenke (1761 - 1816) geboren, der durch seine Forschungsreisen in die Urwälder Südamerikas berühmt wurde, wo er ausser anderen Ergebnissen auch die grösste Seerosenart der Welt, die südamerikanische Seerose (Victoria regia) entdeckt hatte. Aus Chřibská stammen auch die Begründer der hiesigen Glasharmonika-Produktion, Ferdinand Pohl (1748 - 1809) und Carl Ferdinand Pohl (1860 - 1945), der Musiker Stephan Schier (1797 - 1868) und der Heimatforscher A. W. Stelzig (1832 - 1894). Seine Jugendzeit verbrachte hier der spätere Komponist und Opernreformator Christoph Willibald Gluck (1714 - 1787), dessen Vater in den Jahren 1722 - 1727 als Forstmeister auf der Steinschönauer Kinsky-Herrschaft gewirkt hat.
In Horní Chřibská wurde auch Eduard Lehmann (1844 - 1923) geboren, der sich als Veteran der Schlacht von Hradec Králové (Königgrätz) 1866 der Suche und Bezeichnung der Soldatengräber Nordböhmens gewidmet hat. Neben einzelnen Denkmälern gefallener Soldaten hat er auch das Denkmal der in der Schlacht bei Hochkirch (bei Görlitz) gefallenen Soldaten errichten lassen und war gründendes Mitglied der Gesellschaft zum Bau des Völkerschlachtdenkmals in Leipzig.

Sehenswürdigkeiten in der Umgebung

Chřibská ist an allen Seiten von bewaldeten Bergen umgeben. Südlich der Stadt verläuft der Hauptkamm des Lausitzer Gebirges mit seiner Dominante, dem breit ausladenden Studenec (Kaltenberg) mit dem Aussichtsturm. Weitere bedeutende Gipfel dieses Kammes sind die Bukovina (Buchhübel), der Chřibský vrch (Himpelberg), der Javor (Grosser Ahrenberg), Hřebec (Schindelhengst) und der Velká Tisová (Grosser Eibenberg). Unter dem Javor liegt der Sattel U Křížového Buku, (Bei der Kreuzbuche), über den die Hauptstrasse nach Česká Kamenice (Böhmisch-Kamnitz) führt, und unweit davon befindet sich das Naturdenkmal Líska (Hasel, Dorflehne) mit dem reichen Vorkommen des Ausdauernden Silberblattes (Mondviole, Lunaria rediviva) und der Zlatý vrch (Goldberg) mit seinen bis 30 m langen Basaltsäulen. Aus den näher an der Stadt liegenden Wiesen und Weiden erhebt sich der unauffällige Lipový vrch (Lindenhübel) und der flache Ořešník (Nusshübel). Im Tal oberhalb von Horní Chřibská (Oberkreibitz) wurde am Chřibská Kamenice-Bach zwischen dem Juliova výšina (Juliushöhe) und dem Malý Stožec (Kleiner Schöber) der Chřibská přehrada (Kreibitzer Staudamm) erbaut und weiter bachaufwärts liegen die Jedlovské rybníky (Tannteiche). In einem kleinen Nebental östlich des Stadtzentrums von Chřibská befinden sich gleichfalls Wasserfälle; hinter ihnen erhebt sich der Plešivec (Plissenberg) und der Žulovec (Fladenberg), an dessen Abhang sich der Bahnhof Chřibská mit der früher beliebten Sommerfrische Malý Semerink (Klein-Semmering) befindet. Nach Nordwesten führt aus der Stadt die Strasse über Nová Chřibská (Neu-Kreibitz) nach Rybniště (Teichstatt) und Krásná Lípa (Schönlinde). Inmitten der Wiesen nordöstlich von Rybniště liegen die Teiche Velký rybník (Grosser Teich) und Světlík (Lichtenberger Teich), die beide als Nistgelegenheiten für Wassergeflügel unter Naturschutz stehen. Im Tal des Lužnička-Baches (Lausur) unterhalb dieser beiden Teiche liegt Horní Podluží (Obergrund) und das alte Bergstädtchen Jiřetín pod Jedlovou (St. Georgenthal) mit dem Křížová hora (Kreuzberg) mit den Kapellen des Passionsweges und den Stollen der alten Silbergruben. Über dem Städtchen Jiřetín erheben sich die Ruinen der Burg Tolštejn (Tollenstein) und seine Dominante, der Berg Jedlová (Tannenberg) mit seinem Skiareal, dem Friedrich-Schiller Denkmal, dem Aussichtsturm und Restaurant auf dem Gipfel. Nördwestlich von Rybniště (Teichstatt) breitet sich der flache Široký vrch (Steingeschütte) mit der Farská kaple (Pfaffenkapelle) und der Aussicht von seinem Gipfel auf die Böhmische Schweiz (České Švýcarsko) aus. Nördlich von Chřibská (Kreibitz) liegt der Berg Spravedlnost (Irigtberg), an dessen Fusse am Liščí bělidlo (Fuchsbleiche) sich das Naturschutzgebiet Marschnerova louka (Marschners Wiese) befindet; in nächster Nähe, unmittelbar zwischen den Häusern von Dolní Chřibská liegt die auch unter Naturschutz stehende lokalität Louka u Brodských („Wiese bei Brodsky´s“). Über Dolní Chřibská erhebt sich der niedrige Gipfel des Pařez (Klötzerhöhe) und vom Westende der Ansiedlung führt eine Strasse nach Doubice (Daubitz). Am ehemaligen Forsthaus U Sloupu („Säule“) zweigt von ihr nach links die Strasse zu den Jagdhütten „Na Tokáni“ (Balzhütte) im Zentrum des „České Švýcarsko“ (Böhmische Schweiz) ab, nach rechts führt eine kurze Abzweigung zur Ruine des Chřibský hrádek (Kreibitzer Burgstatt). Westlich von Chřibská in einem engen Abschnitt des tief in die Felsen des Tals eingegrabenen Chřibská-Kamenice-Baches liegt die frühere Häusergruppe Na Potokách (Bachhäuser), in der ein bemerkenswerter Mühlgraben mit zwei Tunnelen und einem Aquädukt das Wasser zum Antrieb der früher hier bestehenden Mahlmühle führte. Von hier führt die Strasse weiter nach Rynartice (Rennersdorf) und eine Abzweigung von ihr über Studený (Kaltenbach) und Lipnice (Limpach) nach Česká Kamenice (Böhmisch Kamnitz). Zwischen diesen beiden Strassen fliesst die Chřibská Kamenice (Kreibitzbach) durch das tiefeingeschnittene romantische Pavlínino údolí (Paulinengrund) nach Jetřichovice (Dittersbach).

Übersichtskarte der Umgebung von Chřibská.

Weitere Informationen

Sokolí vrch Sokolí vrch Bor Bor Na Valech Na Valech Chřibská Dolní Chřibská Böhmův vrch Böhmův vrch Na Potokách Na Potokách - akvadukt Pavlínino údolí Studený Lipnice Lipnická kaple Lipnický vrch Lipnický vrch Líska Pomník pod Zlatým vrchem Studenec Studenec Pramen pod Studencem Bukovina Bukovina Lesní Domky Lipový vrch Chřibský vrch Chřibský vrch Líska - měsíčnice Černý vrch Černý vrch Javorek Javorek Široký kopec Široký kopec Křížový buk Javor Javor Údolí Bělé Hřebec Hřebec Popel Popel Malá Tisová Malá Tisová Velká Tisová Velká Tisová Srní hora Srní hora Jedlovské rybníky Chřibská přehrada Juliova výšina Juliova výšina Krásné Pole Horní Chřibská Malý Semerink Malý Stožec Malý Stožec Komora Jordán U Křížového buku Jedlová Jedlová Jedlová Šibeniční vrch Šibeniční vrch Nový Svět Žulovec Žulovec Plešivec Plešivec Nová Chřibská Na Sedle Rybniště Školní rybník Školní rybník Horní Podluží Ladečka Světlík Světlík Velký rybník Chřibská Nová Ves Krásná Lípa Farská kaple Široký vrch Široký vrch Hrbolec Vápenný vrch Vápenný vrch Vápenka Doubice Spravedlnost Spravedlnost Chřibský hrádek Chřibský hrádek Liščí Bělidlo Marschnerova louka Louka U Brodských