Lausitzer Gebirge
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Køížová hora
(Kreuzberg)

Der Walfahrtsort am Abhange des Kreuzberges bei Jiøetín (Skt. Georgental).

Der Berg Køížová hora (563 m) (Kreuzberg) bildet einen deutlich ausgeprägten Rücken, der vom Jedlová-Berge (Tannenberg) bis an die Grenzen des Städtchens Jiøetín reicht. Der Bergrücken, der früher den Namen Holá lada (Kahle Heide) oder Kraví hora (Kühberg) trug, besteht aus Granit und phyllitischen Grauwacken, in denen im 16. Jahrhundert ein Silbererz-Bergbau umging. Seit dem 18. Jahrhundert ist der Berg ein bedeutender Wallfahrtsort.
Im Jahre 1790 wurde der nordöstliche Teil der Berghänge aufgeforstet, aber durch die Schneise des Kreuzweges hat man eine schöne Aussicht nach Norden über Jiøetín und Dolní Podluží.(Niedergrund). Eine Aussicht gibt es auch vom Nordhange des Berges von der sog. Wild-Aussicht und vom grasbewachsenen Gipfel des Kammes (592 m), auf dem früher eine einzelstehende Lärche wuchs. An ihrer Stelle ist gegenwärtig ein junges Bäumchen gepflanzt worden.
Am Westhange am Wege zur Ortschaft Jedlová (Tannendorf) befindet sich eine im Jahre 1931 gebaute Skisprungschanze. Sie hatte früher einen hölzernen Anfahrtturm, der aber später abgerissen wurde.

Der Wallfahrtsort

Køížová hora (Kreuzberg) bei Jiøetín (St. Georgental), Kapellen des Kreuzweges an Nordhange.

Die Anfänge des Wallfahrtsortes hängen zusammen mit Gerüchten über ein wundertätiges Kreuz, das im Jahre 1699 der Pfarrer von Jiøetín Michael Gürtler angeblich hier errichtete. Um die Gründung des Wallfahrtsortes hat sich aber am meisten der Pfarrer Gottfried Liessner verdient gemacht, der hier im Jahre 1759 elf Stationen des Kreuzweges, eine hölzerne Kapelle mit der 12. und 13. Station und eine Rokokokapelle mit der Heiligen Grabe aufstellen liess. Das ganze Areal wurde am 17. September 1764 geweiht.

Der Kreuzweg beginnt am Fusse des Berges mit einer monumentalen Treppe mit sechs steinernen Säulen aus dem Jahre 1847, oberhalb deren an der linken Seite heute noch eine kleiner Vertiefung an der Stelle des ehemaligen Brunnens zu sehen ist. Gerade hier soll der Sage nach das hölzerne Kreuz gestanden haben, das später in die hölzerne Kapelle auf dem Gipfel übertragen worden ist.
Über der Treppe ist die Szene aus dem Gartem Gethsemane mit Sandsteinskulpturen des knienden Christus, des Engels mit dem Kelch der Bitternis und den schlafenden Aposteln Petrus, Jacobus und Johannes aufgestellt, die aus dem Jahre 1764 stammt. Ein wenig höher am linken Waldrand steht die Ecce homo-Szene von 1859, die ein Werk des Rumburger Bildhauers Jakob Groh ist. Den Berghang hinauf steigen 11 gemauerte Nischenkapellen im Rokokostil aus dem Jahre 1759 mit steinernen Reliefen der Stationen des Kreuzweges, zu denen im Jahre 1842 steinerne Stufen angebracht worden sind.

Die Ecce homo-Statue.

Køížová hora (Kreuzberg) bei Jiøetín (St. Georgental), die Heilige Kreuz-Kapelle.

Auf dem Gipfel steht die Heilige Kreuz-Kapelle, die die aus dem Jahre 1759 stammende, ehemals hölzerne Kapelle ersetz hat, die am 4. Dezember 1779 von einem starken Sturmwind vernichtet worden ist. Ihr Bau wurde im Jahre 1783 begonnen, aber nach der Veröffentlichung des kaiserlichen Entscheides über den Verbot der privaten Kapellen musste der Bau auf einige Jahre unterbrochen werden. Erst als die Bürger von Jiøetín den Bau kauften und der Gemeinde schenkten, konnte die Kapelle fertiggestellt werden und wurde im September 1796 geweiht. Der Turm wurde erst später an die Kapelle angebaut. Sein Grundstein wurde im Jahre 1881 gelegt und fertig wurde er im Jahre 1888.
Die Inneneinrichtung der Kapelle stammt zum grössten Teile aus der Zeit um 1800. Das Bild Christi malte Felix Jahn aus Horní Podluží, die Kanzel ist ein Werk des Webers Leopold Elstner aus Jiøetín. Das Innere der Kapelle wurde auch durch eine Rokokostatue des Hl. Laurentius und ein Bild der Stigmatisierung des hl. Franziskus aus dem Jahre 1802 bereichert. Aus der ursprünglichen hölzernen Kapelle stammt das Bild der Hilfreichen Jungfrau Maria und ein altes hölzernes Kruzifix, das bereits am 1. Juli 1791 über dem Hautaltar angebracht wurde.
Im Jahre 1892 wurde in der Kapelle eine neue Orgel installiert und ein Jahr später an der Südseite der Kapelle eine Kanzel angebaut. Im Jahre 1903 wurde das Innere der Kapelle renoviert und zum Jahre 1910 die Kapelle mit farbigen Fenstern ausgestattet. Auch im Jahre 1929 musste die Kapelle neu hergerichtet werden, da sie durch der Blitzschlag beschädigt worden ist.

An der Westseite der Kapelle wurde im Jahre 1764 ein Brunnen gegraben, neben dem ein halbkreisförmiges Gloriett vom Jahre 1869 mit der 1860 von Jakob Groh aus Rumburg gefertigten Statue der Unbefleckten Empfängnis der Jungfrau Maria steht.
Hinter der Heilige Kreuz-Kapelle steht eine niedrige Rokoko-Kapelle mit dem Heiligen Grab aus dem Jahre 1759, deren Stirnwand noch im 19. Jahrhundert ein Bild der das heilige Kreuz entdeckenden hl Helena trug. Diese rechteckige, dreikantig abgeschlossene Kapelle mit Halbsäulen am Umfange des Abschlusses hat über dem Eingang einen Volutengiebel mit einer Rokoko-Kartusche.
In den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts ist der ganze Wallfahrtsort allmählich renoviert worden. Die traditionellen St. Georgentaler Wallfahrten finden hier regelmässig an dem dem 14. September, dem Fest der Kreuzeserhöhung nächstliegenden Sonntag statt.

Gloriett mit der Statue der Jungfrau Maria. Die Heilige Grab-Kapelle.

Die Silbergruben

Das Mundloch des im Sommer 1999 zugänglich gemachtn Stollens St. Johann Evangelista.

Am Nordwesthange des Køížová hora (Kreuzberg) kommen in pyllitischen Grauwacken Quarz- und Karbonatgänge mit nicht besonders reichen Gehalten von Kupfer, Blei, Zink und Silber vor, die bereits im Mittelalter abgebaut worden sind. Die erste Urkunde über den Bergbau auf der Herrschaft Tolštejn stammt aus dem Jahre 1474, als die sächsischen Fürsten Ernst und Albrecht dem Heinrich Keller auf drei Jahre das Recht einräumten, auf der Herrschaft Bergbau zu treiben und Gold zu waschen. Zehn Jahre später, im Jahre 1484, bewilligte König Vladislaus II. der Jagellone dem Marschall Hugold v. Schleinitz und seinen Söhnen auf 15 Jahre den freien Bergbau auf der Herrschaft Tolštejn. Da damals das ganze Schluckenauer Ländchen zur Herrschaft Tolštejn gehörte, ist nicht ersichtlich, ob sich diese Nachrichten auch auf den Køížová hora-Berg beziehen. Im Jahre 1509 verlieh König Vladislaus auf 20 Jahre dem Heinrich v. Schleinitz das Schurfrecht und Heinrichs Nachfolger Georg erweiterte den Bergbau und liess 1539 am Nordhange des Køížová hora-Berges einen neuen Stollen St. Christoph in den Berg graben. In den Jahren 1548-53 gründete er dann am Fusse des Berges das Bergstädtchen Jiøetín (St. Georgental). Im Berg wurde vor allem Kupferkies und silberhältiger Bleiglanz abgebaut, später ist auch Vitriol gewonnen worden. Trotz allen Anstrengungen blieb aber die Ausbeute nur niedrig und im Jahre 1599, als Jiøetín schwer von der Pest heimgesucht wurde, erlosch der Bergbau praktisch ganz. Nach 1612 blühte der Bergbau wieder auf kurze Zeit auf, in den 20er Jahren erlebte er seinen Höhepunkt, um aber kurz danach durch den 30jährigen Krieg unterbrochen zu werden. Auch in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde der Bergbau auf eine Zeit lang wieder aufgenommen, und um 1750 wurde wieder ein Versuch unternommen. Die Gewerken kamen aber schnell in Schulden und im Jahre 1756, zu Beginn des 7jährigen Krieges wurde der Bergbau vollständig stillgelegt.
Die Hautpstrecke im Sv. Johann Evangelista-Stollen. Der Umschwung kam erst im Juni 1782, als der Besitzer der Herrschaft Alois v. Liechtenstein die Arbeiten im St. Christoph-Stollen wieder aufnehmen liess. In seinem Namen leitete den Bergbau Johann Hennevogel v. Ebenburg, der schon im vorigen Jahre die "Leitmeritzer Bergbaugesellschaft" gegründet und zur Arbeit Bergleute aus Kutná Hora herbeigerufen hatte. Johann liess alle Stollen vertiefen und gründete einen neuen St. Johann Evangelista Stollen. Noch vor dem Jahrhundertwende wurde der Betrieb wegen der niedrigen Ausbeute eingestellt und im Jahre 1804 wurde die Grube aufgelassen.
Weitere Versuche, die Gruben wieder zu öffnen, folgten in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts und dann noch 1881, als der Hl. Johann Evangelista-Stollen auf Frischglück-Stollen umbenannt wurde. Noch im Jahre 1883 wurde eine "Georgentaler Erzbergbau-Gesellschaft" gegründet, deren Mitglieder in der Grube einige kurze Querschläge vortrieben. Doch auch diese Versuche hatten keinen Erfolg und im Jahre 1910 wurde die Grube endgültig aufgelassen. Noch in den Jahren 1921-1935 bestand eine "Georgentaler Gesellschaft zur Bergbau auf Zinn, Kupfer und Schwefelkies", die aber keinen neuen Bergbauversuch unternahm.
Zu dieser Zeit gab es in den Stollen den von den Bergleuten "Wassertulpe" genannten Höhlenschimmel (Speleomyces heydenii Fres), dessen Vorkommen aber im Laufe der Arbeiten an der Wiedereröffnung der Stollen in den 30er Jahren einging. In der Zeit der Wirtschaftkrise, da man glaubte, damit den sich verstärkenden Fremdenverkehr unterstützen zu können, lebte der Gedanke an eine Eröffnung der alten Gruben auf. Im Jahre 1934 legten deshalb die Mitglieder des Georgentaler Fremdenverkehrvereins das Mundoloch des St. Christoph-Stollens frei und entdeckten auch das damals bereits vollständig zugeschüttete Mundloch des St. Johann Evangelista-Stollens, den sie nach den notwendig gewordenen Herrichtungsarbeiten am 1. Mai 1935 der Öffentlichkeit zugänglich machten. Der Anstrom der Touristen dauerte allerdings nur eine kurze Zeit und am Beginn des Zweiten Weltkrieges versiegte er vollständig.

Der "Kapelle" genannte Raum im St. Johann Evangelista-Stollen. Eine Wasserfläche in der Abteufung in einem Nebengange des St. Johann Evangelista-Stollens.

In den 50er Jahren diente der Stollen als Lagerraum und später wurde das Mundloch wegen drohender Einsturzgefahr zugschüttet. In den folgenden Jahren gab es einige Versuche zur Erkundung der Stollen, aber erst im Jahre 1989 leitete eine Gruppen von Enthusiasten aus Varnsdorf unter der Leitung von Bohuslav Flekna grosszügige Erkundungs- und Herrichtungsarbeiten im Stollen ein. Nach der notwendigen Herrichtung und Sicherung der Besichtigungsstrecke ist der St. Johann-Evangelista-Stollen am 7. August 1999 erneut der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden.

Gangkreuzung im St. Johann Evangelista-Stollen.

Gegenwärtig sind auf dem Køížová hora-Berg vier Stollen bekannt:

Der St. Johann-Evangelista-Stollen, der am nordwestlichen Fusse des Berges ungefähr um 1781 angelegt worden ist. Als ein sog. Erbstollen hatte er vor allem zur Bewetterung und Entwässerung zu dienen, nebenbei diente er aber auch zur Förderung. Sein Mundloch befindet sich an der ehemaligen Schmelze neben der Strasse von Jiøetín nach Rybništì.
Die 440 m lange Hauptstrecke wurde in ungefähr südlicher Richtung vorgetrieben. An einigen Stellen zweigen von ihr kurze Querschläge ab, deren längster etwa 20 m misst. Etwa in der Mitte der Strecke ist ein kleiner Hohlraum, genannt "die Kapelle", von der eine zweite, etwa 90 m lange Strecke nach Südwest abzweigt. Etwa 55 m hinter der Kapelle mündet in die Hauptstrecke ein Überhau, der den Stollen mit dem St. Chritoph-Stollen verbindet und hauptsächlich der Wetterführung dient. Die Gesamtlänge aller Strecken beträgt 640 m, von denen 360 m für die Besucher zugänglich gemacht worden sind.

Abbaue im St. Christoph-Stollen auf dem Køížová hora-Berg.

Der St. Christoph-Stollen (Štola sv. Kryštofa) wurde im Jahre 1539 als der wichtigste der hiesigen Grubenbaue gegründet. Sein Mundloch befindet sich etwas höher am Hange, etwa 250 m südlich des Einganges in den St. Johann Evangelista-Stollen. Die Gesamtlänge der Strecken dieses Stollens ist 197 m. Die etwa 40 m lange Hauptstrecke ist 10 m vor ihrem Ende an der Stelle eines verschütteten Schachtes, der den Stollen mit der Oberfläche und einem dritten, etwa 8 m höher liegenden Stollen verband, verstürzt. Ungefähr 15 m vom Mundloch zweigt von dieser Strecke die Hauptabbaustrecke ab, die heute zum Grossteil mit Schuttblöcken gefüllt ist und nur in ihrem höchsten Teile in einem 15 m langen, nach Südwesten laufenden Teil frei ist. Am Ende der Strecke sinkt ein tonnlägiger Abbau um18 m tiefer zum Mundloch eines fast saigeren, 25 m tiefen Wetterschachtes, der in den tiefer liegenden St. Johann Evangelista-Stollen mündet. Oberhalb des Stollenmundloches zweigen zwei 10 und 27 m lange Querschläge nach Südosten ab.

Der dritte Stollen wurde etwa 8 m über dem St. Christoph-Stollen angelegt. Er reicht 17 m weit bis zu einem verschütteten Schacht, gegenwärtig ist allerdings nichts bekannt darüber, ob er sich nicht noch über diesen Schacht weiter hinaus fortsetzt. Das Mundloch dieses Stollens ist heute zugeschüttet, die trichterförmige Pinge des ehemaligen Schachtes ist an der Oberfläche deutlich zu sehen.
Der letzte der heute bekannten Stollen, genannt "U císaøe" (Beim Kaiser), befindet sich direkt in Jiøetín am Hause No. 252 in der Køížová ulice (Kreuzgasse).
Weitere Spuren eines alten Bergbaues haben sich auch auf dem benachbarten Šibenièní vrch (Galgenberg), dem Tale Míšeòský dùl (Meisengrund, Meissnergrund) unterhalb des Tolštejn und im Tale des Milíøka-Baches (Kohlhau) südlich von Dolní Podluží (Niedergrund), in dem ein Bergbau-Lehrpfad eingerichtet wurde, erhalten.

Weitere Informationen

 


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