Lausitzer Gebirge
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Panská skála
(Herrenhausfelsen)

Der Panská skála- (Herrenhaus-) Felsen ist ein einzigartiges Beispiel der Absonderung des Basaltes in Säulen.

Der Felsen Panská skála (Herrenhausfelsen) ist der Rest einer kleinen, aus der Hochfläche zwischen Kamenický Šenov (Steinschönau) und Prácheò (Parchen) herausragende Basaaltanhöhe (597 m). Sein Name entstand durch Übersetzung des deutschen Namens "Herrnhausfelsen", der eine Verballhornung des ursprünglichen "Gehörnhausberg" darstellt. Mit "Gehörn" wurden in dieser Gegend steil aufragende Felsengebilde bezeichnet.

Früher war hier eine etwa 30 m hohe, kahle Anhöhe mit drei Kreuzen auf dem Gipfel, die man Kreuzberg nannte. Schon vor dem Ende des 18. Jahrhunderts brach hier ein Bauer aus Prácheò Basaltsäulen, die man zu Tür- und Fensterstöcken, Säulen, Prellsteinen, Randsteinen u. a. m. verwendete. Dieser Steinbruchbetrieb enthüllte allmählich den interessanten, aus schlanken Säulen bestehenden Innenbau des Hügels. Die regelmäßig entwickelten, schlanken, vier- bis sechsseitigen Säulen sind bis 15 m lang und ihr Durchmesser beträgt 20 - 25 cm. In der Mitte des Hügels stehen sie fast lotrecht, in Richtung zum Umfang des Hügels neigen sie sich allmählich zur Mitte hin; weil sie ihrer Höhe nach wie Orgelpfeifen angeordnet sind, heißt der Felsen im Volksmunde Varhany (Orgel).

Gesamtansicht des Panská skála- (Herrenhaus-) Felsens über der Wasserfläche. Blick auf den Felsen von der Südwestseite.

Dieses einzigartige Beispiel der Absonderung des Basaltes in Säulen wäre im Laufe der vorschreitenden Abbaus verschwunden, wenn sich nicht eine ganze Reihe bedeutender Menschen um seine Erhaltung eingesetzt hätte. Einer von ihnen war auch der Professor der Landwirtschaftlichen Akademie in Dìèín-Libverda (Tetschen-Liebwerd) Josef Emanuel Hibsch (1852-1940), der sein ganzes Leben dem Studium der Geologie des Böhmischen Mittelgebirges gewidmet hatte.
Detail der Basaltsäulen in der Hauptwand des Panská skála- (Herrenhaus-) Felsens.

Die Rettung deer Herrenhausfelsens wurde auch zu einem der wichtigsten Ziele des am 1. April 1878 gegründeten Nordböhmischen Exkursions-Klubs in Èeská Lípa (Böhmisch Leipa), dessen Bestrebungen aber lange Jahre erfolglos blieben, da es damals in Österreich noch keine Naturschutz-Gesetzgebung gab und der Böhmische Landesausschuss dem Vorschlag, er solle den Felsen ankaufen, nicht entsprach mit der Begründung, er habe für solche Zwecke kein Geld. Im Jahr 1902 wurde deshalb in Dìèín eine "Vereinigung zur Rettung des Herrenhausfelsens" gegründet, die versuchte, das zum Ankauf des Felsens nötige Geld durch Sammlungen, Lotterien, Bälle, Verkauf von Andenken mit der Abbildung des Felsens u. a. m. zu sammeln. Im Jahr 1904 gelang es endlich, durch einen Pachtvertrag das Brechen der Säulen auf dem Gipfel einzustellen, und das Brechen der Säulen nur auf des Vorfeld der Felswand, wo später die Wasserfläche entstand, zu beschränken. Im November 1906 wurde mit der Eigentümerin ein neuer Vertrag abgeschlossen, nach dem die Felswand auf 6 Jahre um den aus dem Schutzfonds und aus den Beiträgen des Gebirgsvereins für die Böhmische Schweiz und der Bezirksvertretung in Èeská Kamenice (Böhmisch Kamnitz) zu zahlenden jährlichen Betrag von 300 K gepachtet wurde. Nach dem Ablauf dieses Vertrags erneuerte die Inhaberin das Brechen der Säulen sofort wieder und verlangte einen doppelt so hohen Pachtschilling, wozu die Zinsen des bisher aufgebrachten Kapitals nicht mehr ausreichten. Erst nach wiederholten Interventionen wurde am 12. März 1913 das weitere Brechen der Säulen durch die Bezirkshauptmannschaft verboten und nach einer am 10. April 1913 an Ort und Stelle stattgefundenen kommissionellen Verhandlung wurde am 30. April 1913 den derzeitigen Besitzern seitens der k. k. Bezirkshauptmannschaft Tetschen das Brechen strengstens untersagt. Endlich 1914 wurde von der Böhm.-Kamnitzer Bezirksvertretung um 20.000 K der Felsen angekauft und damit unter Schutz gestellt.
Detail der Basaltsäulen am Gipfel des Panská skála-Felsens (Herrenhausfelsen). Im Laufe des 1. Weltkriegs wurde trotz aller Proteste das Brechen der Säulen, allerdings nur im beschränktem Maße, wieder aufgenommen und wurde auch nach dem Krieg fortgestzt. Im Jahr 1938 plante man sogar den Basalt in der ganzen Fläche zwischen dem Felsen und der nahen Straße abzubrechen und ihn zur Sicherung des U-Boot-Hafens auf Helgoland zu verwenden; auf der so gewonnenen Fläche wollte man eine Parkanlage entstehen lassen. Zur Verwirklichung dieses Planes kam es damals aber nicht mehr und nach dem Krieg wurde 1948 der Abbruch des Felsens endgültig verboten. Die teilweise gelockerte Felswand wurde konserviert und 1953 zum Naturschutzgebiet ausgewiesen.
Der Herrenshausfelsen hat heute das Statut eines Nationalen Naturdenkmals und stellt das meistbesuchte geologische Gebilde Böhmens dar, das auch den Geologen im Auslande gut bekannt ist. Eine weniger bekannte, dafür aber großartigere, aus Basaltsäulen bestehende und gleichfalls unter Naturschutz stehende Steinbruchwand befindet sich auch auf dem nahen Berg Zlatý vrch (Goldberg).


Die schöne Aussicht auf die Berglandschaft des Lausitzer Gebirges wurde 2006 durch einen riesigen Parkplatz verhunzt.

Vom Gipfel des Panská skála-Hügels öffnet sich eine schöne Aussicht in die nähere und fernere Umgebung. Im Westen erhebt sich über Kamenický Šenov (Steinschönau) der langgezogene Smrèník (Forstberg), rechts von ihm öffnet sich der Ausblick auf Èeská Kamenice (Böhmisch Kamnitz) mit dem Zámecký vrch (Schlossberg) vor den waldbewachsenen Bergen der Böhmischen Schweiz mit der Dominante des Rùžovský vrch (Rosenberg) im Hintergrund. Auf der Nordseite ist der Šenovský vrch (Steinschönauer Berg), hinter ihm der Ovèácký vrch (Schäferberg) und noch weiter hinten wird der Horizont vom Kamm des Lausitzer Gebirges mit dem Studenec (Kaltenberg), Chøibský vrch (Himpelberg), Javor (Grosser Ahrenberg) und Jedlová (Tannenberg) abgeschlossen. Östlich von der Panská skála liegt die Gemeinde Prácheò (Parchen) mit dem bewaldeten Hügel Vyhlídka (Kühlberg), in Nordosten des Ortes zieht sich der Kamm des Obrázek (Bildstein) mit dem Kluèky (Klutschken) hin, und hinter ihm ragt der spitzige Klíè (Kleis) und rechts hinter ihm der Zelený vrch (Grünberg) und Jezevèí vrch (Limberg) empor. Nach Südosten öffnet sich die Aussicht über Nový Bor (Haida) auf den Chotovický vrch (Kottowitzer Berg), Slavíèek (Slabitschken) und Tisový vrch (Eibenberg) und zum Ralsko (Roll) im Hintergrund. Im Süden ist der Ausblick durch die bewaldeten Hänge des Kameník (Wolfsberg) und den Felsen Èeská skála (Tscheschkenstein) verdeckt.

Die Mariensäule am Südostfusse des Panská skála- (Herrenhaus-) Felsens.

Am Südostfuße des Panská skála-Hügels steht eine Mariensäule, die zum Andenken an einen jungen Handwerksgesellen und eine Witwe, die hier in der stürmigen Nacht des 18. Januars 1739 erfroren sind, errichtet wurde. Ihr genaues Alter ist nicht bekannt, sie wurde aber wahrscheinlich noch 1739 aufgestellt; wenn man aber der landläufigen Tradition Glauben schenkt, die besagt, daß der Dorfrichter von Prácheò (Parchen) Christian Palme die Säule aufstellen ließ, musste dies erst nach 1773 geschehen. Später, im Jahr 1838, ließ Christians Sohn Sebastian die Säule renovieren, eine weitere Reparatur geschah im August 1924. Im Januar 2001 wurde die Säule von unbekannten Wandalen umgestürtzt und zerbrach dabei in einige Stücke, glücklicherweise gelang es sie zu reparieren, sodass sie seit dem Sommer 2002 wieder in der ursprünglichen Schönheit auf ihrem alten Ort steht. Sie war früher von einer Gruppe von sechs Lindenbäumen umgeben, von denen heute nur noch einer übrig geblieben ist, doch 2006 hat man hier drei neue Bäumchen gepflanzt.

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