Lausitzer Gebirge
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Zelený vrch - Schillerova vyhlídka
(Grünberg - Schillerwarte)

Blick von Süden auf den Zelený vrch (Grünberg) mit dem Dorfe Drnovec (Klein-Grün) an seinem Fusse.

Der Zelený vrch (Grünberg, 586 m) ist ein auffälliger Klingsteinberg, der etwa 1,5 km nordöstlich von Cvikov (Zwickau in Böhmen) über der Nordgrenze des Dorfes Drnovec (Klein-Grün) in die Höhe ragt. Manchmal wird er auch "Drnovecký vrch" genannt, weil sein deutscher Name vom Namen dieses Dorfes (Klein-Grün) abgeleitet war.

In der Vergangenheit wurde er zweimal zum Zufluchtsort aufständischer Bauern. Im April 1680 verbargen sich hier die Untertanen aus Cvikov und den anliegenden Dörfern, die sich gegen die schweren Robotpflichten und die Erpressungen des Herrschaftsbesitzers von Zákupy, Julius Franz von Sachsen-Lauenburg, zur Wehr stellten. Der Berg wurde aber von den Soldaten des Generals Piccolomini umzingelt und nach einem zwei Tage dauerndem Widerstand ergaben sich die hungrigen Bauern. Zum zweiten Male versammelten sich hier die unzufriedenen Bauern im Jahre 1775, aber auch diesmal endete der Aufstand für sie ohne jeden Erfolg und einige der Rädelsführer wurden vier Wochen in Mladá Boleslav gefangen gehalten.
Im Bayerischen Erbfolgekrieg wurde der Berg am 1. August 1778 von österreichischen Einheiten besetzt, die sich hier verschanzten; sie wurden aber von den Preussen nach Jablonné (Deutsch-Gabel) und Èeský Dub (Böhmisch Aicha) zurückgedrängt. Überreste der damaligen Schanzen sollten noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu sehen gewesen sein.

Felsen am Fusse des Berges mit einem Keller. Verbindungsgang der in den Felsen gehauenen Keller.

Überreste des ehemaligen Waldtheaters.

Der obere Teil des Zelený vrch besteht aus einer Phonolithkuppe, in deren Liegendem Kreidesandsteine zu Tage treten, die in tieferen Lagen der Abhänge kleinere Sandsteinfelsen bilden. Im Südwesten springt in der Richtung auf Cvikov ein felsiger Kamm heraus, in dessen Südabhang ein aus zwei parallelen, etwa 40 m langen und etwa in der Mitte durch einen dritten Gang verbundenen Gängen bestehender alter Keller eingehauen ist. Er wurde wahrscheinlich gegen das Ende des Zweiten Weltkrieges als unterirdischer Luftschutzkeller gegraben, blieb aber unvollendet. Angeblich sollen sich in ihm die Mitglieder der lokalen Widerstandsgruppe Waltro verborgen haben.
Auf dem Kamme oberhalb der Höhle befinden sich einige alte Sandsteinbrüche, in denen Steine zum Bau der Zwickauer Häuser gebrochen worden sind. In einem dieser Steinbrüche baute im Jahre 1920 der Zwickauer Theater-Dillettantenverein ein malerisches Felsentheater, auf dessen Bühne zwei einen kleinen Dorfplatz bildende Häuser standen. Heute ist aber davon nur ein in den Felsen gehauener Raum mit einem Fenster und in der gegenüberliegenden Felswand ein kurzer Gang mit einer Nische übrig geblieben. Auf dem niedrigen, den Steinbruch umgebenden Abhange sind noch einige Reste des Zuschauerraumes zu sehen. Aus der Stadt ins Theater führte ein alter Weg mit steinernen Stufen.

Reste der Grundmauern der Gaststätte Friedrich Schiller Warte.

Bis zum 2. Weltkriege war der Zelený vrch ein beliebtes Ausflugsziel, an seinen Abhängen gab es einige Promenadewege und es standen auf ihm auch zwei Gaststätten. Am Nordhange stehen ungefähr in halber Höhe des Berges einige Sandsteinfelsen, von denen der bedeutendste nach den in seiner Umgebung früher bestehenden Meilern Uhlíøská skála (Köhlerstein, 471 m) heist. Im Jahre 1894 wurde auf seinem Gipfel eine Aussichtsplattform eingerichtet und in der Nähe ein hölzernes Sommergasthaus gebaut, das bis 1905 "Köhlerstein" hiess. Zum Anlasse des 100. Todestages des Dichters Friedrich Schiller wurde der Aussichtsfelsen vom Zwickauer Bergverein neu hergerichtet und zur Friedrich-Schiller-Warte umbenannt. Am 9. Juli 1905 wurde hier feierlich eine Gedenktafel mit den Jahreszahlen 1805 - 1905 und dem Namen "Friedrich-Schiller-Warte" angebracht, die Otto Vonach aus Cvikov am Felsen anbringen liess. Den gleichen Namen trug seitdem auch das neben ihm stehende Gasthaus.
Aussichtsplattform an der Schillerwarte. Die zweite Gaststätte, das "Schweizerhaus", stand auf dem Bittnerùv kámen (Bittners Stein) genannten Felsvorsprung, der aus einer über Drnovec (Klein Grün) vorspringenden Bergzunge herausragt. Gebaut hat sie der Kleingrüner Gastwirt Josef Böhm. Vom Schweizerhaus gab es eine wunderbare Fernsicht nach Süden über die weitausgebreitete Landschaft um Èeská Lípa (Böhmisch Leipa) mit ihren Dominanten, dem Bezdìz (Bösig) und Vlhoš (Wilhost) am Horizont.
Nach dem 2. Weltkrieg wurden beide Gaststätten dem Verfall preisgegeben. Auf dem Bergvorsprung oberhalb von Drnovec hat sich bis heute ein zum Teil gemauerter, zum Teil in den Felsen gehauener Keller erhalten, von der Schillerwarte sind nur noch überwachsene Reste der Grundmauern übrig geblieben. Der Aussichtsfelsen hat sich bis heute erhalten und bietet, trotzdem er teilweise von Bäumen überwachsen ist, immer noch eine schöne Aussicht in die Umgebung von Maøenice (Mergtal) mit den auffallenden Gipfeln des Luž (Lausche), Hvozd (Hochwald) und Jezevèí vrch (Limberg).
In der Umgebung des Aussichtsfelsens befinden sich die wenig bemerkenswerten Kletterfelsen Trávnická jehla, Kohoutek, weiter im Westen die Felsen Hrádek und Pøeskoková.

Keller der ehemaligen Gaststätte Schweizerhaus. Neue Aussichtpavillon auf dem ehemaligen Gelände der Gaststätte Schweizerhaus.

Nach Nordosten ragt aus dem Zelený vrch der niedrigere Køížový vrch (Kalvariberg) mit dem neuhergerichteten Kreuzwege hervor, im Osten sind an der Strasse von Kunratice u Cvikova (Kunnersdorf) nach Maøenice (Gross-Mergtal) die interessanten, nach einem früher hier bestehenden Mühlgraben "Mühlflorssteine" gennanten Sandsteinfelsen. Am Südhange des Berges bestand am sog. Èervený vršek (Roter Hübel) an der Strasse von Cvikov nach Drnovec ein für die Opfer der Pestepidemie des Jahres 1680 aus Cvikov und Umgebung errichteter Pestfriedhof.

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