Jelení kameny - Konopáč - Stožec
(Hirschensteine - Hanfkuchen - Schöber)

Als Jelení kameny (Hirschensteine) werden gewöhnlich zwei auffällige Basaltfelsgruppen, die aus dem Sandsteinkamme zwischen dem Bahnhof Jedlová und dem Stožecké sedlo (Schöberpass) herausragen. Manchmal wird so auch der ganze Bergrücken bezeichnet.
Ursprünglich bezog sich die Bezeichnung Jelení kámen (Hirschenstein) nur auf den kahlen Felsblock (658 m), der im Norden von der namenlosen Höhe (665 m) inmitten des Kammes herausragt. Vom Gipfel des Felsblockes hat man eine schöne Aussicht in das Tal Míšeňský důl (Meisengrund) und auf die umgebenden Höhen, unter denen besonders der Burgfelsen Tolštejn (Tollenstein) und das breite Massiv des Pěnkavčí vrch (Finkenkoppe) mit dem Čertova pláň (Teufelsplan) und dem Kozí hřbet (Ziegenrücken) auffallen.
Am östlichen Ende des Kammes, etwa 1 km nördlich von Nová Huť (Neuhüte, Antonihütte) steht die regelmässige Basaltkuppe Stožec (Schöber, 662 m), deren Gipfel mit einem lichten Buchenwald bewachsen ist. Aus dem Sandsteinplateau nordöstlich des Gipfels wurde im Jahre 1778 eine österreichische Befestigung gegen das preussische Heer aufgebaut. Heute sind aber auch die letzten Überreste vollständig verschwunden.
Am Ostfusse der Kuppe ist der Pass Stožecké sedlo (Schöberpass) (605 m), der den Rücken der Jelení kameny vom Massive des Pěnkavčí vrch trennt. Im Volksmunde wird er in Anlehnung an den deutschen Namen auch heut noch oft "Šébr" genannt. Über den Pass führt die in den Jahren 1794 - 1797 gebaute Hauptstrasse von Česká Lípa nach Rumburk. Wegen der grossen Höhenunterschiede sind hier in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts Automobilrennen veranstaltet worden.
Aus einer Anhöhe am Westende des Rückens ragt der wild zerklüftete Felsen des Konopáč (Hanfkuchen) (676 m) heraus, der manchmal auch Jelení skála bezeichnet wird. Zu ihm führt von der Weggabelung des grün markierten Wanderweges am südwestlichen Abhange eine grün markierte Abzweigung hinauf. Vom Gipfel des Felsens ist eine schöne Rundsicht über die umgebenden Gipfel des Lausitzer Gebirges, bei gutem Wetter kann man in der Ferne auch den Ještěd (Jeschken) erblicken.

Der früher dicht bewaldete Rücken der Jelení kameny gehört heute zu den von den Emissionen der Industrie am schwersten betroffenen Gegenden. Entlang des Kamnes verläuft die Europäische Wasserscheide zwischen der Nord- und der Ostsee. An seinem Südabhange stehen einige Betonbunker der tschechoslowakischen Grenzbefestigung aus dem Jahre 1937.

Am Südwestabhange des Rückens entlang führt die alte Prager Strasse, die eine der ältesten Handelsstrassen, die das innere Böhmens mit der Lausitz verbanden. Sie ist bereits in einer Karte aus dem Jahre 1571 eingezeichnet und wurde bis zum Ende des 18. Jahrhunderts befahren, ehe sie durch die heutige Strasse übe den Pass Stožecké sedlo ersetzt wurde. Sie führte von Görlitz über Löbau und Rumburg nach Jiřetín (St. Georgental), von wo sie unter den Tolštejn hinaufstieg. Weiter führte sie durch den Wald auf die Wegekreuzung im Abschluss des Míšeňský důl und stieg durch den stellenweise tiefen Hohlweg des Čertův příkop (Teufelgraben) bis zur Wegabzweigung am Südwestabhang des Konopáč, wo sie sich nach Südost drehte und über Nová Huť und den Kobyla-Berg (Hengstberg) zum Milštejn (Mühlstein) weiterzog. Hier verband sie sich mit der Leipaer Strasse, die aus Česká Lípa über Sloup (Bürgstein), Cvikov (Zwickau), Krompach (Krombach) und Oybin nach Zittau führte. Die Reste der Prager Strasse sind bis heute noch in der Umgebung der Konopáč, wo sie durch den heute verwachsenen und feuchten Čertův příkop führte, gut sichtbar.
An der Weggabelung am Südwestabhange des Konopáč standen drei interesante steinerne Säulen. Direkt an der Weggabelung stand der Třípanský sloup (Dreiherrensäule) auf der Stelle, wo die Grenzen der drei Herrschaften, Kamenice (Kamnitz), Tolštejn und Zákupy (Reichstadt) zusammenstiessen. Diese dreieckige Säule mit abgerundeten Kanten ist aus dem festen Sandsteine des Mühlstein, aus dem über Jahrhunderte Mühlsteine hergestellt worden sind, gehauen worden. Auf dem bereits früher fehlenden Säulenkopf ware die Wappen der drei Herrschaftsbesitzer dargestellt. Die Säule ist schon auf der Karte aus dem Jahre 1745 eingezeichnet und soll am 29. Juli 1705 an Stelle einer älteren, der sog. Roten Säule afgestellt worden sein. Im Herbste 1999 hat jemand leider diese Säule gestohlen, so dass heute von ihr heute nur noch ihre flache Steinbasis übriggeblieben ist.

Etwa 20 m von der Weggabelung steht am Rande des Hohlweges der alten Prager In der Umgebung kann man bis heute noch an Hand der noch erhaltenen Grenzsteine, an deren Seiten die Herrschaften durch ihre Anfangsbuchstaben und eine Jahreszahl gekennzeichnet sind, ihre Grenzen verfolgen. Auf dem Kamme des Bergrückens sind Grenzsteine aus den Jahren 1750 und 1765, weiter zum Hraniční rybník (Waldsteinteich) stehen neuere Grenzsteine vom Jahre 1803.

Dicht neben der Dreiherrensäule steht ein etwa 2 Meter hohes geneigtes steinernes Prisma aus dem vergangenen Jahrhundert mit den ornamental eingemeisselten Nummern der Forstreviere IX und X. Ein weiterer Grenzstein, der die Forstreviere VIII und IX bezeichnete, stand etwa 1 km nördlich von hier im Abschluss des Míšeňský důl (Meissnergrund), ungefähr im Jahre 2010 wurde er aber gestohlen.
Strasse die St. Jakobussäule, die manchmal auch als Jelení sloup (Hirschensäule) bezeichnet wird. Es ist das eine auf einem vierkantigen Sockel stehende schlanke Sandsteinsäule mit dem Relief eines Hirsches, der sich zu einer männlichen, in ein herabwallendes Gewand gekleideten und mit einem Schwert bewaffneten Figur aufbäumt. Dieses heute bereits stark verwischte Relief stellt wahrscheinlich den Beschützer der Waldeinsamkeit, den hl. Ägidius dar, unter dessen Schutz sich ein von einem Jäger verfolgter Hirsch flüchtet. Auf der Spitze der Säule stand früher wahrscheinlich eine Statue des hl. Jakobs, des Schutzheiligen der Pilger. Diese Säule liess wahrscheinlich zu Beginn des 18. Jahrhunderts ein Fuhrmann oder Kaufmann, dem hier ein Überfall oder ein anderes Unglück gedroht hat, aufstellen. Im Jahre 1924 wurde sie renoviert, nach dem Zweiten Weltkriege blieb sie ihrem Schicksal überlassen. Erst 2002 wurde sie neu hergestellt und auf ihrer Spitze wurde ein neues Kopfstück mit dem vom Steinmetzer Jan Pokorný aus Děčín (Tetschen) verfertigten Bilde des Hl. Jakobs angebracht.

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Text: Jiří Kühn; Übersetzung: Petr Kühn.