Lausitzer Gebirge
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Údolí samoty - Panenská skála
(Tal der Einsamkeit - Jungfernstein)

Blick auf das untere Ende des Údolí samoty (Tal der Einsamkeit).

Das etwa 2 km lange bewaldete Tal Údolí samoty (Tal der Einsamkeit) zieht sich am westlichen und südwestlichen Fusse des Hügels Hrouda (Balleberg) zwischen Cvikov (Zwickau in Böhmen) und Radvanec. (Rodowitz) hin. Früher hiess es auch Luciin dùl (Luzengrund), angeblich nach einer Tochter der Familie des Besitzers, die gern in der Einsamkeit der Natur verweilte und oft auf Jagd hierhin fuhr.

Öffnung des Felsentores.

Das Tal beginnt etwa 1,5 km westlich von Cvikov in einer grossen vernässten Vertiefung, in der das früher Tramflössel genannte, einen der drei Quellbäche des Dobranovský potok (Rodowitzer Bach) bildende Bächlein entspringt. Im oberen Teile ist das Tal ziemlich eng und ist an seiner Südseite von steilen Sandsteinfelswänden begrenzt. In einem der Sandsteintürme befindet sich eine natürliche Höhlung, die früher Skalní brána (Felsentor) genannt wurde. Am Eingange ist sie etwa 16 m hoch und über einen Meter breit, nach innen wird sie aber schnell enger. Auf einer Seitenwand befindet sich eine Menge eingegrabener Namen, Initialen, Zeichnungen und Jahreszahlen, von denen die ältesten aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts stammen. Im Innern der Höhlung kann man an der Wand in ein grosses Felsenfenster, das sich in das waldbewachsene Tal öffnet, hochklettern.
Unter dem engeren oberen Teil dreht sich das Tal scharf nach Süden und geht in ein breites Tal über, das bis zum ehemaligen Hegerhaus bei Radvanec (Rodowitz) reicht. Seinen Ostrand bildet hier ein steiler, von Wald bewachsener und durch kurze Schluchten unterteilter Hang mit malerisch hervorstrebenden Sandsteinfelsen.
Ungefähr in der Mitte des Tales befindet sich eine Quelle, deren Wasser eine günstige Wirkung auf Augenkrankheiten haben sollte. Mitglieder des Zwickauer Bergvereines haben 1896 in diesem Tale einen bequemen Weg von Cvikov (Zwickau) nach Radvanec (Rodowitz) und Nový Bor (Haida) gebaut, die Quelle mit Steinen eingefasst, um sie Bänke und sogar einen Ofen zum Kochen aufgestellt. Am 24. Juni 1900 bauten sie über der Quelle eine hölzerne, die Ginzelhütte genannte Schutzhütte.
An einigen Stellen im Tale wächst der giftige, unter Naturschutz stehende Seidelbast, selten kann man hier auch den Sumpfporst oder eine fleischfressende Pflanze, den Rundblättrigen Sonnentau finden.

Felsenvorsprung mit dem Felsen "Perníková stráž" (=Pfefferkuchenwächter).

Am Südende läuft aus dem Údolí samoty nach Osten ein etwa 400 m langes und mit einem steilen Abschnitt abgeschlossenes Seitental, genannt das Údolí vzdechù (Seufzergrund) aus, durch das der blau markierte Weg in den Sattel zwischen dem Hrouda (Balleberg) und Chudý vrch (Stolleberg) und weiter nach Cvikov führt. An seinem unteren Eingange befinden sich zwei weniger bekannte Klettertürme. Fast vollständig vergessen ist ein kleiner, aus einem Felsvorsprung an der Südseite des Údolí vzdechù aufsteigender Turm, genannt Høíbek (kleiner Pilz). Ihm gegenüber strebt aus dem Gipfel des bewaldeten Abhanges ein auffallender und aus der Ferne sichtbarer Felsenturm aus Sandstein auf, der Perníková strហ("Pfefferkuchenwächter") genannt wird. Auf dem Nachbarfelsen war früher eine Aussichtsplattform eingerichtet, die heute zwar von hochgewachsenen Bäumen beschattet ist, trotzdem aber eine schöne Aussicht auf Nový Bor (Haida) mit dem Skalický vrch (Langenauer Berg) und Chotovický vrch (Kottowitzer Berg) vor dem Hintergrunde des weiter entfernten Kammes mit dem Èeská skála (Tscheschkenstein), Kluèky (Klutschken), Polevský vrch (Blottendorfer Höhe) und weiter in Richtung auf Svor (Röhrsdorf) und den Klíè (Kleis), Rousínovský vrch (Hammrichberg) und Velký Buk (Grosser Buchberg) bietet. Am Aussichtspunkt ist unter dem Wege ein kleines Kämmerlein mit einer Sitzbank in den Felsen gehauen.
Rund um den Felsvorsprung mit dem Aussichtspunkt führt ein Waldweg, der am oberen Ende des Údolí vzdechù beginnt und am Oberrande des Abhanges über dem Údolí samoty entlang bis zu seinem Nordende führt. An manchen Stellen gibt es von ihm schöne Aussichten in die Umgebung; auf einem vorspringenden Felsen oberhalb der Quelle in der Mitte des Tales bestand früher eine zweite Aussichtsplattform.
Dieser Fussweg folgt der alten Grenze zwischen der Bürgsteiner und Reichstädter Herrschaft, die heute noch durch einige Grenzsteine mit der Jahreszahl 1729 und den Buchstaben B (Bürgstein=Sloup) und R (Reichstadt=Zákupy) an den Seitenwänden bezeichnet sind.

Anhöhe mit dem Felsen Panenská skála (Jungfernstein).

Am Südende des Údolí samoty, am Hegerhaus von Radvanec (Rodowitz) befindet sich eine unscheinbare Anhöhe, aus deren Gipfel zwei merkwürdige Sandsteinfelsen hervorragen. Der massivere, weiter westlich stehende Felsen, der Èertova skála (=Teufelsfelsen), ragt steil aus der Umgebung in eine Höhe von etwa 30 m über den Talgrund auf und die Bergsteiger nennen ihn Škuner (Schoner); den daneben stehenden schlanken Turm nennen sie manchmal Pirát, aber viel bekannter ist er unter dem Namen Panenská skála (Jungfernstein). Er hat eine sehr interessante, unregelmässige Form und in der Gipfelpartie ein kleines Fenster. An den Felsen Panenská skála (Jungfernstein) und die naheliegenden Havraní skály (Rabensteine) knüpft sich die Sage von einem Ritter, der eine unschuldige Jungfrau verfolgte; auf der Flucht vor ihm rettete sie sich gerade an dieser Stelle durch einen Sprung in einen früher hier liegenden See. Heute finden wir an der Stelle eines Sees hier nur die stillen Mäander eines Waldbächleins und an seinem Ufer eine hergerichtete Quelle mit einem hölzernen Schutzdach. Im Sattel am Wege unterhalb der Felsen befindet sich in einem Felsvorsprung eine Nische unbekannten Alters mit einer interessanten volkstümlichen, früher "die Martersäule" genannten Abbildung des an einer Säule gepeitschten Kristus. Über der Nische ist ein gemaltes Muttergottesbild mit dem Jesuskind angebracht.

Panenská skála (Jungfernstein). Felsennische mit der Martersäule am Panenská skála (Jungfernstein).

 


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