Lausitzer Gebirge
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Popova skála
(Pfaffenstein)

Blick von Süden auf den Gipfelfelsen mit der Aussicht.

Der Popova skála (Pfaffenstein, 565 m) ist ein auffallender, auf dem Gipfel eines mässig langgezogenen bewaldeten Berges zwischen dem Krásný dùl (Schöner Grund, früher Kaisergrund) und dem údolí Bílého potoka (Weissbachtal) etwa 4 km südwestlich von Hrádek nad Nisou (Grottau) sich erhebender Sandsteinfelsklotz. An seiner Nordseite ist er durch ein flachen Sattel mit dem Sedlecký Špièák (Spitzberg) verbunden und im Südwesten hängt er mit dem Podkova (Hufeisenberg) zusammen. Auf seinem Gipfel steht eine verhältnismässig grosse, aus tektonisch gestörten und zerklüfteten, stark verquarzten Kreide-Sandsteinen und -Konglomeraten aufgebaute Felsgruppe. Ihre ursprünglich waagrecht gelagerten Sedimentschichten wurden in der Nähe der Lausitzer Verwerfung in verschiedenen Winkeln aufgerichtet und zerfielen im Laufe der allmählichen Verwitterung von den Spalten und Rissen aus in riesige Felsen und Blöcke, zwischen denen sich eine Anzahl verschiedener Hohlräume und Felsüberhänge ausbildete. Auf der Oberfläche einiger dieser Felsen entstanden unregelmässige Vertiefungen und ovale Felsenkessel und Felsenschüsseln.
Dieser Gipfelfelsen der Popova skála stellt eine auffallende Felsdominante im östlichen Teil des Lausitzer Gebirges dar. Er besteht aus einigen riesigen, aneinander angelehnten Sandsteinblöcken, zwischen denen sich ein verhältnismässig breiter senkrechter Spalt befindet. Die auf dem Nordteile des Felsens aufgehäuften Blöcke bilden ein kleines Felsentor und einige kleinere Höhlen, deren grösste früher "Backofen" hiess und im 19. Jahrhundert von Paschern als Versteck benutzt worden sein soll. Eine andere Höhle hiess "Pferdestall".
Am Südosthange des Pfaffsteins wurde früher der verfestigte Sandstein gebrochen, wesentlich grössere und bekanntere Steinbrüche waren aber auf dem benachbarten Sedlecký Špièák (Spitzberg). Auf dem Südwesthange des Popova skála befinden sich auch einige alte, an einen vom benachbarten Kamm des Podkova-Berges (Hufeisenberg) herstreichenden Basaltgang gebundene Eisenerzgruben.

Blick von unten auf den Felsklotz des Gipfels. Zwischen den angehäuften Blöcken entstanden verschiedene Höhlungen und Grotten.

Die auf die Aussicht führende Treppe.

Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts war der Gipfel des Popova skála-Berges nur den Bergsteigern zugänglich. Um die Erschliessung des Gipfelfelsens für Wanderer und Touristen hat sich der Ingenieur Hugo Lubisch aus Lückendorf verdient gemacht, der sich im Herbst 1904 entschied, unter dem Gipfel auf eigene Kosten eine Blockhütte zu bauen und den höchsten Felsen durch eine Eisentreppe mit Geländer zugänglich zu machen. Die Verwaltung der Clam-Gallasschen Herrschaft genehmigte diese Ausgestaltung des Felsens, aber die Durchführung verzögerte sich, da Herr Hugo Lubisch plötzlich starb. Seine Witwe Sophie Lubisch liess dann unterhalb des Felsens eine Hütte erbauen, die feierlich am 3. August 1905 eröffnet wurde und zum Andenken an den Verstorbenen Gründer "Hugohütte" genannt wurde. Die eiserne Leiter mit Geländer, die den Aufstieg auf den Gipfel ermöglichte, eröffnete der Bergverein aus Lückendorf erst am 26. Mai 1907. Die Aussicht diente dann den Touristen bis zum Anfang des Jahres 1934, als sich der höchste Gipfel des Felsens loslöste und mit dem Absturz drohte. Die Aussicht wurde deshalb gesperrt und die Sektionen Grottau und Pass des Touristenvereins für das Jeschken- und Isergebirge sicherten im Jahre 1934 den verwitterten Felsen durch Untermauerung mit Sandsteinquadern und Abhauen der gefährdeten Partien. Zur gleichen Zeit wurde auch die eiserne Leiter und das Schutzgitter auf der Aussichtsplattform erneuert. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die hölzerne Hugohütte vernichtet, die Aussichtsplattform blieb aber bestehen und wird auch heute noch erhalten.

Vom Gipfel eröffnet sich eine überwältigende Rundsicht über die weite Umgebung. In Norden sieht man über den Sedlecký Špièák (Spitzberg) in die Lausitz mit Zittau und über das nahe Hrádek nad Nisou (Grottau), hinter dem in der Ferne das polnische Kraftwerk Turów auffällt. Im Osten erheben sich die Jizerské hory (Isergebirge) und der Ještìdský høbet (Jeschkenkamm) mit dem Velký Vápenný (Grosser Kalkberg), während sich im Vordergrund der Berg Vysoká (Trögelsberg), der Pískový vrch (Welsberg) und die anderen um den Krásný dùl (Schöner Grund, früher Kaisergrund) gehäuften Berge aneinanderreihen. In der Ferne südlich hinter ihnen sieht man die beiden Jelení vrchy (Hirschberge), die charakteristischen Silhouetten des Ralsko (Roll) und des Tlustec (Tolzberg), im Südwesten breitet sich hinter dem Loupežnický vrch (Raubschlossberg) und dem Podkova (Hufeisenberg) die bergige Landschaft um Èeská Lípa (Böhmisch-Leipa) und die Lužické hory (Lausitzer Gebirge) mit dem Jezevèí vrch (Limberg), Sokol (Falkenberg), dem weiter entfernten Klíè (Kleis), dem zweigipfeligen langen Kamm des Hochwald / Hvozd und dem Lausche / Luž aus. Im Vordergrund liegt das waldreiche Tal des Bílý potok (Weissbachtal) und der Strassberg mit den Felsenmassiven der Mönchsteinfelsen und der Uhusteine, hinter denen sich die anderen Berge des Zittauer Gebirges mit dem Jonsberg und Töpfer erheben.

Die Aussichtsplattform auf dem Felsgipfel. Blick in das Tal der Lužická Nisa und auf das Jizerské hory (Isergebirge).

Der Popova skála (Pfaffenstein) war in den vergangenen Jahrhunderten von vielen Sagen umsponnen. Im Inneren des Berges sollten Räuber einen grossen Schatz verborgen haben, und in der Umgebung ging die Sage von einem kleinen grauen Männlein um, das in den Felsspalten unter dem Gipfel lebt und mit durchdringendem Pfiffen unheilvolle Ereignisse und Unglücksfälle ankündigt. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass diese Sage von den Paschern verbreitet wurde, die damit ihre Felsenverstecke vor der Entdeckung schützen wollten. Der mundartliche Ausdruck für Pfiffe ("Pfaff") soll auch den Grund für den älteren volkstümlichen Namens Pfaffstein gegeben haben.

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