Lausitzer Gebirge
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Vysoká - Ostrý - Kozí høbety
(Trögelsberg – Spitzstein - Ziegenrücken)

Steilstehende Sandstein-Felswand am Ostrý (Spitzstein).

Im östlichsten Zipfel des Lausitzer Gebirges liegt ein etwa 2 km langer Kamm, an dessen Gipfel entlang sich eine wichtige geologische Grenze zieht, die meiwtens als Lausitzer Störung bezeichnet wird.
Im Mesozoikum, ungefähr vor 90 Millionen Jahren, war das ganze Gebiet vom Meere überschwemmt. Auf seinem Boden sammelten sich allmählich mächtige Sedimentschichten an, durch deren Verfestigung Sandsteine und Konglomerate mit waagerecht liegenden Schichten entstanden. Am Anfange des Tertiärs, ungefähr vor 60 Millionen Jahren, kam es zu einem erneuten Aufleben der tektonischen Bewegungen, das sich in einem Zerbrechen des ursprünglich zusammenhängenden Blockes der Erdkruste in zwei, durch die Lausitzer Störung getrennte Teile äusserte. Gleichzeitig kam es zu einem relativen Aufsteigen der nordöstlichen im Verhältnis zur südwestlichen Scholle, die absank. Die entgegengesetzte Verschiebung der beiden Schollem an der Lausitzer Störung bewirkte, dass die urspünglich waagerecht liegenden Sandsteinschichten in der Nähe der Störung in eine schiefe, stellenweise bis fast senkrechte Stellung aufgebogen wurden. In der späteren Entwicklungsphase wurden die Sandsteine der hochgehobenen nordöstlichen Scholle Opfer einer intenziven Erosion, sodass sie heute nicht mehr erhalten sind und an der Oberfläche deswegen die liegenden phyllitischen Schiefer und Diabase des Kristallins des Ještìd-Kammes (Jeschkenkamme) anstehen. Aus diesem Grunde äussert sich heutzutage die Lausitzer Störung als eine scharfe Grenze zwischen den mesozoischen Sandsteinen im Südwesten und den älteren Gesteinen im Nordosten.

Dieser Bergkamm beginnt bei Horní Sedlo (Pass) mit dem Gipfel Ostrý (Spitzstein) (507 m), auf dessen Westabhange unweit eines Schichtlinienweges die kleinen Sandsteinfelsen Trojzubec (Dreizack) und Poutník (Pilger) stehen. An seinem östlichen Hange ist an einer Wegkreuzung im Walde an einem Baume das sog. Landwachtkreuz (Landvašský køíž) befestigt, auf das sich eine lokale Sage bezieht. Im Südosten vom Ostrý liegt ein kleiner namenloser Hügel, auf dem Sandsteinfelsen mit sehr steilgestellten Schichten aufgeschlossen sind. Die Oberfläche eines dieser Felsen trägt einen Harnisch, einen sog. "tektonischen Spiegel", d. h. ein Stück Sandsteinoberfläche, das durch die Reibung der Gesteinslöcke aneinander glattpoliert worden ist.
Weiter südöstlich befinden sich am Kamme die Kozí høbety (Ziegenrücken) - Sandsteinfelsen, deren südwestliche Seiten durch verhältnismässig glatte, schiefgestellte Schichtflächen gebildet werden, während sie nach Nordosten in bis 20 m hohen felsigen Steilwänden abfallen. An ihrem Fusse treten bereits die metamorphen Gesteine des Kristallins des Ještìd-Kammes (Jeschkenkamm) zu Tage, sind hier aber von Sandsteinschutt bedeckt. An einigen Stellen der Felsgipfel gibt es schöne Ausblicke auf einige Gipfel des Lausitzer Gebirges und die Umgebung von Èeská Lípa (Böhmisch Leipa), oder nach Norden über das Tal der Lužická Nisa (Neisse) weit nach Deutschland hinein.

Auf den Hängen diese Kammes befindet sich eine Reihe alter Steinbrüche, in denen der feste Sandstein zu Bausteinen gebrochen wurde. Die Steinmetzen stellten aus ihm Baustücke, Türrahmen, Treppenstufen oder Fensterbrüstungen, aber auch Statuen, schmuckvolle Portale, Steinvasen und andere Schmuckstücke her. Den grössten Aufschwung erlebte dieser Steinbruchbetrieb um die Wende des 18. und 19. Jahrhunderts, als seine Produkte zum Bau der Bürgerhäuser in Liberec (Reichenberg) geführt wurden. Noch um 1835 waren die Brüche im Betrieb, später lohnte sich die Arbeit nicht mehr und die Brüche wurden einer nach dem anderen aufgelassen.
Ausser diesen Sandsteinen kommen hier an vielen Stellen auch Konglomerate mit grösseren Geröllen und häufigen Abdrücken von Schalen mesozoischer Muscheln vor. In die Wand eines der alten Steinbrüche ist der Name „Alexander von Humboldt“ und die Jahreszahl "1851" eingemeisselt. Alte Heimatkunden berichten, dass dieser bedeutende deutsche Wissenschaftler und Forschungsreisende die hiesigen Steinbrüche besucht hat, es hat sich aber kein glaubwürdiges Beleg darüber erhalten.

Gipfel des Ziegenrückens. Kozí høbety (Ziegenrücken), Felswände am Nordostabhang.

Am Ende des Kammes ist der Gipfel Vysoká (545 m), (Trögelsberg). Er liegt bereits hinter der Lausitzer Störung und besteht daher aus paläozoischen Schiefern und Diabasen. Er trägt allerdings auf seinem südwestlichen Abhange auch Sandsteine, aus denen die bemerkenswerte Felsgruppe der Bílé kameny (Weissen Steine) besteht. In südöstlicher Richtung fällt sein Abhang steil gegen den Pass Jítravské sedlo (Windschänke), der das Lužické hory-Gebirge (Lausitzer Gebirge) vom Kamme Ještìdský høbet (Jeschkenkamm) trennt. Über diesen Pass führt die Hauptstrasse von Dìèín (Tetschen) nach Liberec (Reichenberg). Früher stand hier das beliebte Restaurant Na Vìtrníku (Windschänke), die aber am Anfange der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts abgerissen worden ist.

Entlang des Scheitels des Kammes führt von Jítrava (Pankratz, Deutsch Pankratz) nach Horní Sedlo (Pass) ein Teil des Naturlehrpfades "Lausitzer Überschiebung". Am Nordostabhange dieses Kammes befindet sich eine Reihe der leichten Infanteriebunker, die im Laufe der Jahre 1937 - 1938 als Bestandteil des Grenzbefestigung gebaut worden sind. Diese Befestigungslinie konnte allerdings nicht mehr fertiggestellt werden, so dass es hier nicht mehr zum Bau der im Bereich des Jítravské sedlo geplanten grossen Artilleriebunker kam.
Zur Zeit der Elster-Eiszeit reichte der Festlandsgletscher von Norden her bis zum Jítravské sedlo-Pass. In der Umgebung von Jítrava haben sich Reste seiner Gletschersedimente erhalten können, deren Gesteinsmaterial zum Teile aus entfernten Nordländern stammt. Am Nordrande von Jítrava wurde in diesen Moränensedimenten eine Sandgrube eröffnet, die aber leider heute vollständig zugewachsen ist.

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