Lausitzer Gebirge
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Städte und Gemeinden

Mistrovice
(Meistersdorf)

Blick von der Kirche auf Mistrovice (Meistersdorf).

Das Dorf Mistrovice liegt am Oberlaufe des Bystrá-Baches (Absbach) an der Strasse von Kamenický Šenov (Steinschönau) nach Kerhartice (Gersdorf), etwa 4 km südlich von Èeská Kamenice (Böhmisch Kamnitz). Das Dorf bildet jetzt einen Teil von Nový Oldøichov (Neu Ullrichsdorf), mit dem es schon vollständig verschmolzen ist. Es entstand als Hufendorf im 14. Jahrhundert, als keine besseren Standorte mehr zur Verfügung standen und man deshalb neue Gemeinden auch auf ärmeren Bergböden gründete. Die Gemeinde wird zum ersten Male im Jahre 1412 als "Meystersdorff" im Kamnitzer Stadtbuch erwähnt und hatte von ihrer Gründung an ihren eigenen Dorfrichter. Der Name des Dorfes war wahrscheinlich vom Personennamen Meister abgeleitet, das dem Lokator gehören konnte; einer alten Überlieferung nach sollte es auf die früher hier angesiedelten Schmiedemeister hinweisen, die in der weiten Umgebung als Hersteller von Sensen und Sicheln berühmt waren.
Es ist nicht mit Sicherheit bekannt, ob Mistrovice ursprünglich zur Herrschaft Scharfenstein oder Ober-Liebich gehört hat. Im 15. Jahrhundert bestand hier ein selbstständiger Meierhof, dessen ältesten bekannten Besitzer um 1457 die Blekta von Útìchovice (Blekta von Audishorn) waren, die auch den sog. Rotenhof im nahen Markvartice (Markersdorf) besassen. Nach ihnen wechselten hier die Herren von Schönfeld, von Salhausen und noch einige andere Familien ab, von denen aber nicht bekannt ist, ob sie im Dorfe einen eigenen Herrensitz hatten. Nachgewiesen ist aber, dass kurz nach 1598 sich Siegmund von Weissenbach in Mistrovice ein Schlösschen bauen liess. Zur gleichen Zeit wurde wahrscheinlich auch der Meierhof erbaut, zu dem die Herrschaft die notwendigen Grundstücke durch Kauf von sieben Bauernhöfen erwarb. Als erster wurde 1585 der Hof des Dorfrichters Simon Knechtel angekauft, der Ankauf der letzten Grundstücke folgte aber erst im Jahre 1632. Im Jahre 1756 wird beim Meierhof auch eine kleine Bierbrauerei erwähnt.

Mistrovice waren ursprünglich ein Bauerndorf, aber bereits1654 lebten hier einige Glasschneider, -Schleifer und -Maler. Ende des 17. Jahrhunderts soll im Dorfe auch eine Glashütte bestanden haben, über deren Bestand aber bisher nichts näheres bekannt geworden ist. Später ist Mistrovice durch vortreffliche Glasschneider und erfolgreiche Glashändler berühmt geworden. Die künstlerische Glasgravur und Kugelei wurden hier von der Brüdern Christian und Kilian Wander eingeführt, die zu Beginn des 18. Jahrhunderts aus dem damaligen Grünwald bei Jablonec nad Nisou (Gablonz) hierher übersiedelten. Aus der Meistersdorfer Linie dieser berühmten Glasmacherfamilie ragte vor allem der Schneider gläserner Wappen Florian Wander (*1738) heraus.

Peter Christoph von Wallbrunn parzellierte 1758 einen Teil des zum Meistersdorfer Meierhofe gehörenden Grundbesitzes und gründete darauf das neue Dorf Oldøichov (Ullrichstal). Bereits sechs Jahre später verkauften die von Wallbrunn den Meierhof an die Familie Kinsky, die ihn kurz danach auflöste und die parzellierten Grundstücke an weitere Siedler vermieteten.

Kleiner Teich in der Dorfmitte.

Im Jahre 1833 hatte Mistrovice bereits 117 Häuser und 854 Einwohner, die zum grossen Teil Glasarbeiter und Glashändler waren. Zehn Jahre später waren im Dorfe 13 Glasraffinerien und das bedeutende Glaswaren-Lager des Ignaz Pelikan. Mit dem Aufschwung der Glasfabrikation im 19. Jahrhundert wuchs auch das Dorf schnell und erreichte 1890 mit 1387 seinen höchsten Einwohnerstand.
Bei der Verwaltungsreform im Jahre 1850 wurde das benachbarte Oldøichov (Ullrichstal) an Mistrovice angeschlossen, das sich aber schon 1878 wieder selbstständig machte.

Das Dorf Mistrovice war seit seiner Gründung nach Wolfersdorf eingepfarrt, erst 1844 wurde hier eine katholische Filialkirche zur Kreuzerhöhung erbaut. Später entstand hier auch eine bedeutende altkatholische Gemeinde, der seit 1897 die im Oberdorfe im Neurenaissance-Stil erbaute, zur Pfarre in Arnultovice (Arnsdorf) bei Nový Bor (Haida) gehörende altkatholische Kirche diente. Nach dem 2. Weltkriege verfiel die Kirche schnell und wurde 1977 abgerissen.

Infolge seiner bergigen Lage und der reichen Waldbestände der Umgebung wurde die Gemeinde Mistrovice seit Beginn des 20. Jahrhunderts zu einem vielbesuchten Ausflugsziel und 1903 wurde auf einer nahen Anhöhe, der "Scheibe", ein hölzerner Aussichtsturm, die "Scheibenwarte" gebaut, die allerdings nicht lange bestand.

Im Jahre 1939 hatte Mistrovice 963 Einwohner. Ausser den 10 grösseren Bauerngütern gab es hier noch einige kleinere landwirtschaftliche Anwesen, die den hiesigen Handwerkern als Nebenerwerbsquelle dienten. Haupterwerbszweig war aber die Glasveredlung: Im Orte waren 10 Glasraffinerien, 16 Glasschneider- und 16 Glasmaler-Werkstätten, 4 Stöpselbohrer-, 8 Kugler- und 2 Gürtler. Noch andere Einwohner arbeiteten in den Glasfabriken in Prácheò (Parchen), Oldøichov (Ullrichstal) und Kamenický Šenov (Steinschönau).
In den letzten Jahren des 2. Weltkrieges wurde Mistrovice mit Oldøichov zusammengeschlossen und die so entstandene Gemeinde erhielt den Namen Nový Oldøichov (Neu Ullrichstal).

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