Lausitzer Gebirge
Cesky Deutsch English Francais

Interessantes

Kyjovské údolí
(Khaatal)

Der Køinice-Bach (Kirnitzschbach) im Kyjovské údolí (Khaatal).

Das Kyjovské údolí (Khaatal) ist ein mehr als 5 km langer felsiger Canon des Kirnischtbaches, der sich von Kyjov (Khaa) in westlicher Richtung bis zur Staatsgrenze mit Deutschland, wo früher die Ortschaft Zadní Doubice (Hinterdaubitz) stand, hinzieht. Das tiefeingeschnittene Waldtal ist an beiden Seiten von gewaltigen Sandsteinfelsen gesäumt, zwischen denen sich an manchen Stellen Einmündungen einiger Seitenschluchten öffnen. Manche Felstürme stellen beliebte Bergsteigerziele dar.
Das Flüsschen Køinice (Kirnischt), das das ganze Tal durchfliesst, ist ein Zufluchtsort verschiedener Lebewesen. Es lebt hier z.B. die Forelle und selten auch die Westgroppe oder das Bachneunauge, auch kommt hier die Wasserspitzmaus und der gefährdete Fischotter vor. Aus der Vogelwelt sind hier die Gebirgsstelze und die Wasseramsel typisch und gelegentlich jagt hier auch der Schwarzstorch, selten kann man auch den Eisvogel beobachten.
Vyhlídka Kinských (Kinsky-Aussicht) am Rande der Kováøská planina (Schmiedeheide). Die Menschen haben früher den Bach zum Flössen von Holz und zum Antrieb mehrerer Mühlen und Brettmühlen genutzt. Mit dem Aufschwung des Touristenwesens im 19. Jahrhundert wurde dieses romantische Tal zu einem vielbesuchten Wanderziel und so entstand schon 1884 in Kyjov (Khaa) eine Abteilung des Gebirgsvereins für das nördlichste Böhmen, die sich der Zugänglichmachung der anziehendsten Stellen widmete. Die Tätigkeit dieses Vereines wurde nicht nur vom Besitzer der Herrschaft Ferdinand Kinsky, sondern auch von einer ganzen Reihe von Persönlichkeiten und Industriellen aus Krásná Lípa (Schönlinde) und den umliegenden Gemeinden unterstützt. Im Jahr 1906 öffnete der Gebirgsverein den verfestigten Fahrweg durch das Tal, der den Zugang zu den Felsen und die Verbindung nach Sachsen wesentlich erleichterte. In den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts führte durch das Tal sogar eine Buslinie von Dresden nach Zittau.

Schon in den Jahren 1884 – 1886 stellten die Mitglieder des Vereins in diesem Felsental einen etwa 1,7 km langen Wanderpfad her, der die schönsten Felsen und Aussichtspunkte im östlichen Teil des Tals verband. In den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde dieser Pfad rekonstruiert und heute führt auf ihm ein Teil des erneuerten Köglers Naturlehrpfads. Der Pfad beginnt in Kyjov (Khaa) an der ehemaligen Schule im Sattel unter den Okrouhlík (Scheibekoppe), von wo er am alten Friedhof vorbei auf die bewaldete Kováøská planina (Schmiedeheide) führt. Ihr höchster Punkt hiess schon vor dem Ende des 19. Jahrhunderts Výšina knížete Kinského (Fürst Kinsky-Höhe) und auf ihm stand eine Laube mit Bänken, aus denen man eine Aussicht auf den Kyjovský hrad (den sog. Ober-Karlstein) und auf Kyjov (Khaa), den Dlouhý dùl (Langengrund) und auf Snìžná (Schnauhübel) hatte. Später verschwand diese Aussicht und heute wächst hier nur mehr Wald. Am Westrand der Kováøská planina ist ein Felsvorsprung mit der Vyhlídka Kinských (Kinsky´sche Aussicht), die früher Terasa (Terrasse) genannt wurde. Früher gab es von hier eine Aussicht auf die Bratrské kameny (Brüdersteine) und zum Kyjovský hrad, aber heute ist von hier nur eine durch die Bäume nur sehr begrenzte Aussicht ins Tal geblieben. Von der Kirnischt steigt eine durch zwei Felsenspalten führende lange Treppe herauf.

Der Felsspalt mit der auf die Vyhlídka Kinských (Kinsky-Aussicht) hinaufführenden Treppe. Die Felsgruppe Koèka a pes (Katze und Hund).

Die Bratrské kameny (Brüdersteine).

Von der Vyhlídka Kinských führt der markierte Wanderweg steil bergab zur Nebeská brána (tschech. = Himmelstor), die von einem abgestürzten Felsblock gebildet wird, und dreht sich hinter ihm in das Tal des Sýrový potok (Käsewasser). Noch hoch oben führt der Weg an einem Felsen mit einem eingegrabenem Gesichtsrelief und weiter noch an einer kleinen Höhle vorbei bis zur Felsgruppe Koèka a pes (Katze und Hund) und zum engen Tor Pekelná brána (tschech. = Höllentor). Hinter ihm steigt er durch die enge Schlucht Peklo (Hölle) zum alten, am Sýrový potok (Käsewasser) entlang vom südlichen Teil von Kyjov zur Køinice (Kirnischt) führenden Fahrweg hinauf. Hinter diesem Weg steigt der Pfad wieder auf dem gegenüberliegenden Hang hinauf bis zu einer Gruppe von Sandsteinfelsen, die man Bratrské kameny (Brüdersteine) oder Skalní bratøi (Felsenbrüder) nennt. Diese über ausgehauene Stufen zugänglichen Felsen sind miteinander durch Brücken verbunden, die Aussicht von ihnen ist aber heute durch den Wald verhindert. Auf der südwestlichen Seite der Felsen ist ein Felsüberhang mit einer Ruhebank. Ein kleines Stück weiter führt der Pfad durch die aus einen überhängenden Felsen und einem künstlich erweiterten Tunnel gebildeten Lví doupì (Löwenhöhle), und am Abstieg in die nächste Schlucht befindet sich an der rechten Seite das Felsengebilde Obøí hlava (Riesenkopf). Hinter dieser Schlucht steigt eine Felsentreppe auf den Felsenvorsprung des sog. Kyjovský hrad mit den spärlichen Überresten einer mittelalterlichen Ansiedlung, die wahrscheinlich von Prospektoren, die in der Umgebung Gold oder Eisenerze suchten, gegründet worden ist. An die Versuchsschürfungen auf Eisenerze erinnern noch heute die Železné jámy (Eisengruben) auf einer etwa 350 m nordwestlich von hier entfernten Anhöhe. Vom Kyjovský hrad steigt der Pfad durch eine enge Felsschlucht über Stufen hinunter und führt als Waldpfad weiter in das Tal des Bystrý potùèek (Frisches Floss). Auf diesem Abschnitt führt er an einer auffallenden Felspyramide mit einem Wimpel und anderen, Vikingská loï (Schiff), Holubice (Taube), Panna (Jungfrau) a Trojèata (Drillinge) benannten Felsgebilden vorbei. Durch ein Nebental kehrt der Pfad auf die Waldstrasse an der Kirnischt zurück, wo er sein Ende erreicht.
Etwa 200 m gegen den Strom des Bystrý potùèek ist die kleine, von steilen Felswänden eingeschlossene Klenotnice (Schatzkammer), in der den Sagen nach die Raubritter des Kyjovský hrad ihre Schätze verborgen hatten. Der auffälligste Felsturm hier heisst der Strážce Klenotnice (Schatzkammerwächter).

Die Lví doupì (Löwenhöhle). Die Klenotnice (Schatzkammer) im Tal des Bystý potok (Frisches Floss).

Die Felsen unter dem Kyjovský hrad mit der Gedenktafel der Brüder Bienert.

Im Haupttal unter dem Kyjovský hrad ragt über die Strasse ein auffallender überhängender Felsblock, in dessen Nähe in einen kleinen Felsen eine Gedenktafel zur Erinnerung an die beiden, 1990 ermordeten Schluckenauer Heimatforscher Eduard und Franz Bienert angebracht wurde. Unter der Strasse fliesst hier die Kirnischtbach durch eine enge tunnelartige Kluft, neben welcher sich im Felsschutt die Höhle Vinný sklep (Weinkeller) mit drei niedrigen Eingängen ausgebildet hat. Der linke Eingang führt in den kleineren, etwa 3 m breiten, 9 m langen und fast 2,5 m hohen Raum, aus dessen Südwestecke die Öffnung einer niedrige Verbindungsstrecke zu der grösseren, 12 m langen und stellenwiese bis zu 5 m hohen Höhle führt, die zwei selbstständige Eingänge hat und meistens vom Bach überflutet ist. Sie wurde nach der flaschenartigen Form der in ihr über den Winter entstehenden Eiszapfen benannt, einer Sage nach sollte ein geheimer unterirdischer Gang vom Kyjovský hrad hierher führen.

Die Strasse dann führt weiter nach Westen und etwa 0,5 km vom Kyjovský hrad erhebt sich über ihr eine riesige Felswand mit einem Felsgesims, auf dem ein grosser Felsblock, der Èertùv kámen (Teufelsstein) genannt, ruht. Ein Stück weiter zweigt nach rechts ein Weg zur Brücke über die Kirnischt ab, von der nach rechts ein etwa 100 m langer Pfad zur Jeskynì víl (Feengrotte) hinaufsteigt. Im Sandsteinfelsen entstand hier ein etwa 30 m langer, 6 m tiefer und nicht ganz 2 m hoher Überhang, der in eine niedrige Höhle übergeht. Im Winter bildet sich hier ein reicher Schmuck mit Eiszapfen der verschiedensten Formen und Grössen.

Gedenktafel der Brüder Bienert. Der Felsen Èertùv kámen (Teufelsstein).

Etwa 700 m weiter mündet in das Kyjovské údolí (Khaatal) von links der Studánkový dùl ein, in dem der markierte Wanderweg von Doubice (Daubitz) herführt, und nach nicht ganz einem Kilometer von hier kommt man zum Turistický most (Touristenbrücke), die 1908 am Zusammenfluss der Kirnischt mit dem Vlèí potok (Wolfsbach) erbaut worden ist. Ursprünglich war hier nur ein Brückensteg, die heutige breite Brücke stammt aus dem Jahre 1992. An der Brücke steht eine hölzerne Schutzhütte mit Sitzbänken, von der ein Weg in den Vlèí dùl mit Abzweigungen zum Vlèí hrádek (Burg bei Wolfsberg) und am Brtnický hrádek (Burg bei Zeidler) vorbei über Šternberk (Sternberg) nach Brtníky (Zeidler) führt.

Die Jeskynì víl (Feengrotte). Eiszapfen in der Höhle Jeskynì víl (Feengrotte).

Weggabelung beim Turistický most (Touristenbrücke).

Im anschliessenden, etwa 2,5 km langen Abschnitt westlich vom Turistický most verbreitert sich das Tal allmählich, seine Hänge werden sanfter und auch die Felsen an beiden Seiten des Tales werden niedriger. Am Bach entlang entsteht ein Streifen einer periodisch überfluteter Aue und im unteren Teil des Tales bildet der Bach sogar einige kleine Mäander. Ungefähr in der Mitte dieses Abschnittes führt über die Kirnischt die Brücke Prostøední most (Mittlere brücke), von der ein Weg nach Norden in den Hluboký dùl (Tiefen Grund) führt, wogegen durch die gegenüberliegende Schlucht der alte Weg Doubická cesta (Daubitzer Weg) nach Südosten hinaufsteigt. Etwa 600 m weiter zweigt nach Südosten das Tal des Volský dùl (Ochsengrund) ab, an dessen Ende einige Kletterfelsen stehen.
Am Ende des Kyjovské údolí macht die Kirnischtbach einen grossen Bogen, mit dem sie dem schmalen bewaldeten Ausläufer des Orlí roh (Adlerhorn) ausweicht. Im Jahre 1994 wurden auf dessen Gipfel Reste einer mittelalterlichen slawischen Burgstatt aus dem 9. bis 10. Jahrhundert ausgegraben. Gegenüber dem Orlí roh an der Strasse steht die auffallende Orlí vìž (Adlerturm), mit der Gedenktafel des Obmannes des Gebirgsvereines für das nördlichste Böhmen Johann Hille und seines Mitarbeiters Anton Richter. Die ursprüngliche gusseiserne Tafel von 1925 wurde nach dem 2. Weltkrieg vernichtet und die heutige, mit der tschechischen Übersetzung ergänzte Replik liess im Jahr 2000 der Tschechische Touristenklub KÈT in Zusammenarbeit mit der Reichsbank in Pirna anbringen.

Der Orlí vìž (Adlerturm) mit der Gedenktafel J. Hilles. Johann Hille-Gedenktafel.

Hinter dem Orlí roh führt über die Kirnischtbach die Brücke Brtnický most (Zeidlerbrücke), über die der Weg im Tal des Brtnický potok (Zeidlerbach) nach Brtníky (Zeidler) führt, und unmittelbar dahinter mündet der Grenzbach Bílý potok (Weissbach) in die Kirnischt; von hier bildet die Køinice (Kirnischt) die Staatsgrenze mit Deutschland. Etwas weiter kann man an der linken Seite der Strasse die geringen Mauer- und Kellerreste der früheren Ortschaft Zadní Doubice (Hinterdaubitz) sehen, während auf der deutschen Seite bis heute einige instandgehaltene Häuser stehen. Am Ende der verschwundenen Ortschaft führt die Grenzbrücke über die Kirnischt und hinter ihr weiter die Strasse nach Hinterhermsdorf. Dicht vor der Brücke zweigt ein Waldweg zum Denkmal der Opfer des Todesmarsches aus dem KZ Schwarzheide im Temný dùl (Finsterer Grund) ab.

Weitere Informationen

 


Die Seiten über das Lausitzer Gebirge befinden sich auf: http://www.luzicke-hory.cz/lausgeb.html
Copyright (c) Jiøí Kühn, 1997-2018.     Übersetzung: Petr Kühn