Lausitzer Gebirge
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Mühlsteinbrüche

Abbautechnik-Ausstellung im grössten Steinbruch Schwarzes Loch.

Das Gebiet der Mühlsteinbrüche stellt ein kleines, aber detailliert gegliedertes Felsengelände dar, das etwa 0,5 km südlich von Jonsdorf liegt und im Westen an das Naturschutzgebiet der Jonsdorfer Felsenstadt anschliesst. Es haben sich hier vier verlassene Steinbrüche erhalten, in denen früher der Sandstein zur Herstellung von Mühlsteinen gebrochen wurde. Unmittelbar über dem Sportplatz in Jonsdorf liegt der älteste Bruch, das "Bärloch", an den sich weiter südlich die Brüche Weisser Felsen und Kellerbergbruch anschliessen. Auf dem sich über den Steinbrüchen Bärloch und Weisser Felsen erhebenden Felsen wurde der Aussichtspunkt Carolafelsen hergerichtet, und südwestlich von ihm befindet sich die ehemalige Schmiede, die heute als Museum eingerichtet ist. Westlich von hier befindet sich der grösste Steinbruch, das Schwarze Loch, in dem ein Schausteinbruch mit einer Ausstellung der damals verwendeten Steinbruchtechnik eingerichtet wurde. Der Eintritt in diesen Steinbruch ist aber nur mit einem Führer möglich, Die interessantesten Stellen der Steinbrüche und ihrer Umgebung verbindet ein Naturlehrpfad.

Geologisch besteht das ganze Gebiet aus Kreidesandsteinen, die sich vor etwa 90 Millionen Jahren am Boden des damaligen Meeres abgesetzt haben. Im Tertiär, etwa vor 30 Millionen Jahren, wurden die Sandsteine in Spalten von zur Erdoberfläche aufsteigenden Eruptivgesteinen durchsetzt. Diese Basalte und Phonolithe haben dabei die bestehenden Risse in den Sandsteinen ausgefüllt oder haben sie in Form von schlotförmigen Körpern durchsetzt. Diese Basaltgesteine findet man in allen hiesigen Steinbrüchen, aber das interessanteste Vorkommen ist der bis heute gut erhaltene Humboldtfelsen im Steinbruch Schwarzes Loch.
Ein Basaltaufschluss in der Ostwand des Kellerbergbruches.

Die Basalt- und insbesondere die Phonolithgesteine in den Sandsteinen sind bereits zum grössten Teile der Verwitterung anheim gefallen, sodass wir an ihrer Stelle nur tief ausgewitterte Eruptivspalten finden können. Die grösste dieser Spalten ist die etwa 800 m lange Spalte des Orgelsteiges, die sich von der Jonsdorfer Felsenstadt bis in die Steinbrüche Schwarzes Loch und Weisser Felsen hinzieht. Ausserdem treten in den Steinbrüchen noch eine ganze Reihe kleinerer Gesteinsgänge auf, die aber heute meistens verwittert und von Gesteinsschutt verschüttet sind.
Infolge der Wärmewirkung der den Sandstein durchdringenden Gesteinsschmelzen und der sie begleitenden Gase und Dämpfe kam es unter günstigen Bedingungen zur Umwandlung der umgebenden Sandsteine und Bildung des „Mühlsteinquaders“. Die Quarzkörner des Sandsteins wurden dabei zum Teil umgeschmolzen und untereinander fest verkittet, wodurch sehr harte verquarzte Sandsteine entstanden, die sich zur Herstellung von erstklassigen Mühlsteinen eigneten. Der Sandstein wurde aber dabei nicht gleichmässig umgewandelt, sodass er die geeigete Härte nur an einigen Stellen erreichte. Der typisch ausgebildete, sog. „Mühlsteinquader“ kam vor allem in den Steinbrüchen Weisser Felsen, Schwarzes Loch und Bärloch vor, in minderer Qualität wurde er noch im Kellerbergbruch gewonnen.
In den von den die Eruptivgesteinen beeinflussten Sandsteinen entwickelte sich an manchen Stellen auch die säulenförmige Absonderung. Die stark erwärmten Sandsteine haben bei ihrer nachfolgenden langsamen Abkühlung ihr Volumen verkleinert, wobei sich in ihnen 5-6kantige Säulchen mit scharfen Kanten ausbildeten. Das schönste Beispiel dieses säulenförmigen Zerfalls des Sandsteins sind die Felsgebilde der Grossen und Kleinen Orgel im Naturschutzgebiet Jonsdorfer Felsenstadt. Im Gebiete der Mühlsteinbrüche sind die Säulchen am besten ausgebildet im Steinbruch „Schwarzes Loch“, man kann sie aber auch an anderen Stellen finden.
Im Zusammenhang mit der vulkanischen Tätigkeit drangen in den Sandstein auch eisenhaltige Lösungen ein, die sich in Spalten, auf Schichtflächen oder in der Masse poröser Sandsteine absetzten. Es entstanden dabei waagerechte oder senkrecht stehende Erzplatten und Eisenerzkonkretionen verschiedenster Formen und Grössen. Die rostbraun gefärbten, mit Eisenerzen imprägnierten Sandsteine waren besonders verwitterungsbeständig, sodass wir sie bis heute an vielen Stellen finden können. Besonders gut sind sie am Orgelsteiggang im Steinbruch Schwarzes Loch entwickelt und bilden auch ein interessantes Beispiel im Felsgebilde der Drei Tische im Steinbruch Bärloch.

In der ehemaligen Schmiede zwischen den Sandsteinbrüchen befindet sich heute ein kleines Museum.

Die Geschichte der hiesigen Steinbrüche begann um das Jahr 1560, als Georg und David, zwei Söhne des Dorfrichters Hans Richter in Jonsdorf, fanden, dass sich die hiesigen Sandsteine ausgezeichnet zur Herstellung von Mühlsteinen eigneten. Im Jahre 1580 mietet Hieronymus Richter den ersten Steinbruch Bärloch und später wurden weitere Steinbrüche aufgeschlossen, von denen der letzte offensichtlich der 1785 eröffnete Kellerbergbruch war. Der Sandstein wurde anfangs nur von Hand gebrochen, aber später ging man auch zur Sprengtechnik über. Auch zur Aufbewahrung der Werkzeuge und zum Schutz der Arbeiter vor schlechtem Wetter wurden in der Umgebung der Steinbrüche viele Bauden und Schutzdächer gebaut, deren Spuren auch heute noch sichtbar sind. Auf dem freien Gelände zwischen den Steinbrüchen wurde eine Schmiede und die zentrale Pulverkammer gebaut.
Aus den Steinbrüchen führten viele Transportwege zu den Halden mit taubem Gestein und zu den steinernen Rutschbahnen, durch die man die grob zugehauenen Steine ins Tal transportierte, wo sie auf Wagen zur weiteren Bearbeitung in die Kittwerkstätten im Jonsdorfer Ortsteil "Kroatzbeerwinkel" geführt wurden. Dort wurde die Oberfläche der Steine mit eisernen Hämmern und Meisseln zur endgültigen Form bearbeitet.
Ursprünglich wurden die Mühlsteine aus einem Stück hergestellt, aber weil man zu den grösseren Steinen sehr schwer ein genügend grosses Stück Sandstein von gleichmässiger Qualität finden konnte, begann man von der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus mehreren Stücken gekittete Mühlsteine herzustellen. Ihr Grund war das sog. Mittelstück, das so bearbeitet wurde, dass es an seinem Umfang sechs bis zwölf Flächen hatte, auf die dann kleinere Stücke harten Steines der gleichen Qualität aufgeklebt wurden. Es wurden auch Steine mit einer doppelten Belegung hergestellt, die aus bis zu 18 oder 26 Stücken zusammengestellt wurden. Die einzelnen Steine wurden mit einem Gemisch von Zement und Gips zusammengekittet und eine Fläche des so fertigen Steines wurde dann geglättet. Zum Schluss wurde der Stein am Umfang mit eisernen Bändern zusammengezogen und in seiner Mitte wurde eine Öffnung für die Welle ausgehauen. Es waren gerade die gekitteten Mühlsteine, die Jonsdorf weltberühmt machten und bis nach England oder Russland verführt wurden. Das Interesse an Mühlsteinen war dementsprechend gross, sodass man um 1860 etwa 1000 Stück Mühlsteine jährlich herstellte.
Einer der nicht fertiggestellten Mühlsteine. Im Jahre 1863 wurde der Abbau im ältesten Steinbruch Bärloch eingestellt und ein Jahr später hörte die Brecharbeit auch in den übrigen Steinbrüchen auf, weil sich kein Mieter fand, der den relativ hohen Mietpreis zahlen wollte. Die Steinbrüche blieben also verlassen bis 1874, als die Stadt Zittau ihren Betrieb in eigener Regie erneuerte. Die Gewinnung von Mühlsteinen wurde dann bis zum Anfange des 20. Jahrhunderts fortgesetzt. In Österreich und Deutschland begann man zu dieser Zeit statt der Mühlsteine Mühlgänge mit Stahlwalzen zu verwenden, aber der Bedarf in Russland stieg immer weiter, sodass 1883 und 1884 die Mühlsteinherstellung ihren Höhepunkt erreichte. In den Brüchen arbeiteten damals bis zu 90 Arbeiter und man machte sogar Versuche, neue Steinlagerstätten auf dem nahen Buchberg und Heideberg.
Vom April 1886 an arbeiteten aber in den Steinbrüchen nur noch etwa 30 Arbeiter und im Jahr 1887 wurde wahrscheinlich der Betrieb im Kellerbergbruch ganz eingestellt. Noch 1895 wurde zwar unterhalb des Carolafelsens ein weiterer Versuch zur Eröffnung eines neuen Steinbruches unternommen, aber ohne Erfolg, weil der dort gefundene Sandstein zu weich war.
Das Jahr 1905 war für die Jonsdorfer Steinbrüche ein Unglücksjahr. Bereits am 22. Februar kam es zu einem Unfall, als zwei Arbeiter beim Abbruch eines nicht losgebrochenen Felsens von einer nicht explodierten Sprengladung zerrissen worden sind. Im Mai desselben Jahres sank das Geschäft mit Russland wegen dem russisch-japanischen Kriege wesentlich und am 4. August hat sich der Hauptbuchhalter Neustadt der Königlichen Staatsanwaltschaft gestellt und Selbstanzeige erstattet, dass er im Laufe seiner 5jährigen Tätigkeit 59 317 Mark veruntreut habe, wofür er mit 4 Jahren Gefängnis bestraft wurde. Der Betrieb der Steinbrüche konnte sich seither nicht mehr erholen. Dazu trugen auch die wachsende Konkurrenz der Hersteller künstlicher Steine und die wachsenden Abbaukosten bei, weil es immer schwerer wurde, Steine der benötigten Qualität zu finden. Der Zittauer Stadrat entschloss sich daher, die Produktion stillzulegen und am 28. Mai 1910 wurde der Betrieb der Steinbrüche eingestellt. Die Brüche mietete dann die Firma Sächsische Steinindustrie H. Schmidt aus Pirna, aber 1914 musste wegen des Krieges mit Russland der Betrieb in den meisten Steinbrüchen eingestellt werden. Nur im Bruch Weisser Felsen wurde in kleinem Massstabe der Steinbruchbetrieb bis 1917 aufrechterhalten und noch später wurden die vorbereiteten freiliegenden Steine verarbeitet. Endgültig wurde der Steinbruchbetrieb am 31. Dezember 1918 eingestellt. Im Jahre 1920 wurden die Gebäude in den Brüchen abgerissen, nur die ehemalige Schmiede konnte der Zittauer Gebirgsverein "Globus", der sich schon längere Zeit um die touristische Auswertung der Felsen bemühte, mieten.
Gedenktafel Dr. Kurt Heinkes und des Lehrers Bauer am Felsen unweit der Schmiede. Im Jahre 1921 wurden dank dem Einsatz des Zittauer Geologen Kurt Heinke die Mühlsteinbrüche zum ersten Male unter Naturschutz gestellt und in 5 Tafeln wurden ihre interessanten geologischen Denkmäler bezeichnet. Seit dem 1. September 1954 wurde das Gebiet der Mühlsteinbrüche zum Naturschutzgebiet ausgerufen und ein Jahr später hat der Verein der Natur- und Heimatfreunde hier einen Naturlehrpfad eingerichtet. Im Laufe der 90. Jahre des 20. Jahrhunderts wurde der Lehrpfad nach und nach erneuert. Es wurden die Wege und Steintreppen erneuert, die Infotafeln umgetauscht, Ruhebänke aufgestellt und interessante Aufschlüsse hergerichtet. In den Jahren 1998 – 2000 wurde der grösste Steinbruch, das Schwarze Loch, gereinigt, abgesichert und als Schaubergwerk für die Besucher hergerichtet.
An verschiedenen Stellen der Steinbrüche kann man auch hölzerne Plastiken der Menschen, die hier lebten und arbeiteten, vom oberlausitzer Holzschnitzer Günter Schönfelder antreffen.

Der erneuerte Teil der steinernen Rutschbahn, über den die ausgebrochenen Steine aus dem Bärloch-Steinbruch zur Bearbeitung in das Dorf befördert wurden. Statue des Steinbrechers von Günter Schönfelder im ältesten Steinbruch Bärloch.

 


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