Lausitzer Gebirge
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Städte und Gemeinden

Rozhled
(Tollendorf)

Verstreute volkstümliche Häuser im Weiler Rozhled (Tollendorf).

Das Dorf Rozhled (Tollendorf) dient ausschliesslich zur Erholung. Es liegt im Tale des Bílý potok (Weissbach) unterhalb der Ruine der Burg Tolštejn (Tollenstein) etwa 1 km südlich von Jiøetín (St. Georgental). Das Dorf, das urkundlich zum ersten Male im Jahre 1471 erwähnt wurde, hiess ursprünglich Tollendorf und seit der Zerstörung der Burg im der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts hiess es nach der Schlossruine Tollenstein. Seine Einwohner dienten in der Burg und die Inhaber der Bauernwirtschaften mussten zusammen mit den Waffenknechten den Wachdienst wahrnehmen. Ausserdem verdienten sie ihren Lebensunterhalt durch Landwirtschaft, Arbeit im Walde, Bergbau oder in den Glashütten; später verbreitete sich besonders die Hausweberei. Die Gemeinde hatte einen eigenen Dorfrichter, der in der Wirtschaft unterhalb der Burg wohnte, wo er auch das Bierschankrecht ausübte.
Im Sattel unter dem Schlosse stand früher auch ein Meierhof, dessen Felder Christoph v. Schleinitz im Jahre 1571 aufteilte und zu niedrigen Preisen neuen Ansiedlern käuflich überliess. Im Jahre 1723 wurden an der Stelle der ehemaligen herrschaftlichen Scheunen einige Häuschen gebaut, die nachher den Namen Stodùlky (Scheundörfel) trugen.

Die Statue St. Johann Nep. im unteren Teil von Rozhled (Tollendorf).

Seit der Reform im Jahre 1849 hatte Rozhled ein selbstständiges Gemeindeamt, dem auch noch die Weiler Lesné (Innozenzendorf) und seit 1869 auch Jedlová (Tannendorf) gehörten. Diese ganze Gemeinde hatte damals insgesamt fast 950 Einwohner, deren Zahl allerdings nach dem Zweiten Weltkriege spürbar kleiner wurde, so dass die Gemeinde mit ihren zwei Weilern an Jiøetín angeschlossen wurde. Der ursprünglich deutsche Name wurde nach dem Jahre 1945 tschechisiert zu Tolštýn und später zu Rozhled (= Aussicht) umbenannt.

Im Weiler befanden sich einige Plastiken und Kreuze, von denen heute das interessanteste die barocke Statue des hl. Johann Nepomuk aus dem Jahre 1728 ist, die an der Strassenkreuzung im unteren Teile des Dorfes steht. Es haben sich hier auch einige interessante Häuser erhalten. Eines von ihnen ist das frühere Gasthaus, das in der ehemaligen Wirtschaft des Dorfrichters eingerichtet war. Nach dem Zweiten Weltkriege ging die Gaststätte aber ein, sodass heute von ihr nur die Grundmauern und der steinerne Brunnenkranz übrig geblieben sind. Ihr Aussehen ist aber auf einigen historischen Ansichtskarten zu ersehen.
An der Stelle des zweiten Gasthauses in der Mitte des Dorfes wurde 1976 das Wochenendhaus Slovan erbaut und vier Jahre später wurde ein Stückchen weiter bergabwärts eine Herberge erbaut, die das baufällige Haus der ehemaligen Schule ersetzte.

In den 60er bis 80er Jahren wurde auf dem Osthange des Jedlová-Berges (Tannenberg) ein Schisportareal mit zwei 1200 und 1400 m langen Ablaufpisten und einem Schilift, dessen Talstation sich gegenüber dem Hause Slovan befindet, aufgebaut. Ein weiterer Schihang, genannt "Na mezièkách" ("auf den Rainen") überquert die Strasse, die vom unteren Ende des Dorfes in den Sattel unter dem Tolštejn führt. In den Wäldern um Jedlová sind auch 6 Langlaufpisten markiert, deren Start im Sattel zwischen Jedlová und Tolštejn liegt. Sie sind einen bis zehn Kilometer lang.

Am Bächlein gegenüber dem Hause Slovan wurden die Überreste der Tätigkeit einer mittelalterlichen Glashütte gefunden, die wahrscheinlich aus der Zeit um die Mitte des 14. Jahrhundert stammen. Weitere mittelalterliche Glashütten standen im Raume des später gegründeten Dorfes Lesné (Innzenzendorf) und an anderen Orten.
In der älteren heimatkundlichen Literatur wird oft das verschwundene Dorf Glasendorf angeführt, die in der Urkunde Georg v. Schleinitz´s aus dem Jahre 1539 erwähnt wird. Seine Einwohner sollten sich überwiegend mit der Glasbläserei beschäftigt haben und um das Jahr 1548 in das neugegründete Jiøetín (St. Georgental) übersiedelt sein. Die verschiedenen Autoren suchten das Dorf i, Raume des heutigen Dorfes Rozhled und seiner Umgebung, an der Stelle des später gegründeten Lesné (Innozenzendorf) oder am Hange des Kozí høbet (Ziegenrücken) oder des Kopøivník - (Nesselberg = Finkenkoppe). Der Bestand dieses "Dorfes" konnte aber nicht bestätigt werden und wahrscheinlich handelt es sich hier um einen missverstandenen Flurnamen, der nicht ein Dorf, sondern einen Standort der Glasproduktion bezeichnete. Das wird auch durch gegenwärtige Funde aus einigen Stellen des angeblichen Glasendorf, die zwar die Existenz einer mittelalterlichen Glashütte, nicht aber die eines ganzen Dorfes nachgewiesen haben.

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