Lausitzer Gebirge
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Jehla - Bratrský oltáø
(Nolde - Brüderaltar)

Jehla (Nolde), Aussichtsfelsen über Èeská Kamenice (Böhmisch Kamnitz).

Die Jehla (Nolde, 478 m) ist ein zweigipfeliger Basaltfels, der sich etwa 1 km nordöstlich über Èeská Kamenice (Böhmisch Kamnitz) erhebt. Aus seinem südwestlichen Gipfel läuft ein schmaler, aus spitzigen Felsen bestehender und steil ins Tal abfallender Grat hervor, dessen spitzigen Felsen ihm wahrscheilich seinen Namen gaben. An den Felsen ist an manchen Stellen eine schöne säulenförmige Absonderung des Basaltes sichtbar. Ein schmaler, mit einem Geländer versehener Pfad führt am Grate entlang zu einem kleinen Aussichtsfelsen, der im Jahre 1879 zugänglich gemacht worden ist. Im Jahre 1885 baute der Böhmisch-Kamnitzer Verschönerungsverein auf einem geschützten Platze am Aufstieg zur Nolde eine Schutzhütte, die aber heute nicht mehr besteht. Der niedrigere, nicht zugängliche Felsen unterhalb des Aussichtsfelsens heisst Trubaè (Trompeterstein).

Vom Gipfel der Nolde ist eine schöne Aussicht ins Tal über Èeská Kamenice (Böhmisch Kamnitz) mit dem Zámeckým vrch (Schlossberg), auf das weiter entfernte Kamenický Šenov (Steinschönau) und die dicht bewaldeten Berge des Lausitzer Gebirges. Im Westen zeigen sich die Gipfel des Èeské støedohoøí (Böhmisches Mittelgebirge) mit dem Berge Buková hora (Zinkenstein) und das Èeské Švýcarsko (Böhmische Schweiz) mit dem grossen Kegel des Rùžovský vrch (Rosenberg), bei schönem Wetter kann man in der weiteren Ferne den Dìèínský Snìžník (Grosser Schneeberg), den Milešovka-Berg (Milleschauer) und die Tafelberge der Sächsischen Schweiz sehen. Im Jahre 1680 haben sich hier die Teilnehmer der Bauernaufstände, die unweit von Dolní Libchava (Nieder Liebich) bei Èeská Lípa (Böhmisch Leipa) unterdrückt worden sind, einige Zeit versteckt gehalten. Die Nolde ist auch Gegenstand vieler Volkssagen, die besonders die Zwerge (Quergsel) betreffen, die hier sogar eine Bierbrauerei gehabt haben sollen.

Die ehemalige Kapelle der hl. Dreifaltigkeit unterhalb der Jehla (Nolde).

In den Wäldern um die Nolde und den benachbarten Kunratický vrch (Elisberg, Eliasberg) ist in früheren Jahren ein ausgedehnter Naturpark mit vielen lauschigen, mit Sitzbänken versehenen Ruheplätzen und einigen Ausflugszielen eingerichtet worden. An der Wegabzweigung im Sattel am Nordwestli-Abhange der Jehla hat man in einem Sandsteinblock eine kleine Kapelle zu Ehren der hl. Dreifaltigkeit gemeisselt, die mit einen eisernen Geländer abgeschlossen war und über ihrer Öffnung ein eisernes Kreuz trug. Aus ihrem ursprünglichen Schmuck ist aber nichts mehr übrig geblieben, das Bild in der Kapelle ist neuesten Datums. Auf einem erhöhten Punkte gegenüber der Kapelle stand die hölzerne Münzel-Schutzhütte mit Bänken. Im Parke waren damals auch Gedenktafeln angebracht worden für Wilhelm Tell, den Maler Emanuel Hegenbart und Turnvater Jahn.
Etwa 100 m westlich von der Felsenkapelle ist im Abschluss eines Nebentales ein überhängender Felsen, auf dessen Gipfel man damals eine Aussichtsplattform mit einer begrenzten Aussicht nach Westen auf die fernen Berge zwischen dem Buková hora (Zinkenstein) und dem Dìèínský Snìžník (Hoher Schneeberg) errichtet hatte.

Das Areal des Brüderaltars nach der teilweisen Erneuerung in den Jahren 2010 bis 2011.

Am nordöstlichen Abhange der Jehla (Nolde) im Abschluss einer bewaldeten Nebenschlucht versteckt ist der Bratrský oltáø (Brüderaltar). Auf einer kleinen, auf in den Sandstein gemeisselten Stufen zugänglichen Sandsteinplattform sind in Sandsteinfelsen Rahmen und Nischen für die Kreuzwegbilder und Heiligenstatuen gemeisselt worden. Nach der im Volke verbreiteten Tradition sollen sich hier in den Jahren 1515 - 1614, in denen die Herrschaft dem prostestantischen Adel gehörte, heimlich die Katholiken zu Gottesdiensten versammelt haben, während später, nach der Schlacht am Bílá hora-Berg (Weisser Berg bei Prag), sich hier wieder die Protestanten zu geheimen Gottesdiensten versammelten. Einige heimatkundliche Autoren sind aber der Ansicht, dass diese Sagen erst aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert stammen und die Andachtstelle hier erst im Jahre 1867 ausgebaut worden ist. Bei ihrer Rekonstruktion im Jahre 1887 wurde hier ein Wallfahrtsort mit barockem Schmuck ausgebaut und unter einem Felsüberhang ein reich geschmückter Altar mit Heiligenstatuen und Engeln aufgestellt.
Nach dem Zweiten Weltkriege verfiel die Stelle schnell, der Schmuck wurde vernichtet und der Ort verwahrloste. Erst im Jahre 1993 wurde diese Gegend wieder gereinigt und in einen der Felsenüberhänge wurde eine Tafel mit dem Relief des ehemaligen Altars eingesetzt. In den folgenden Jahren wurden auch die erhalten gebliebenen Torsi der ursprünglichen Barockstatuen, von denen einige die Jahreszahlen 1718 und 1765 trugen, wieder aufgestellt. In den Jahren 2010 bis 2011 wurde die Umgebung des Brüderaltars teilweise erneuert. In die Felsnischen wurden Kopien der ursprünglichen Kreuzwegbilder, gemalt von Michal Janovský, eingesetzt und unweit der Gedenktafel wurde eine Replik des Todesengels aufgestellt. Neu hergerichtet wurde auch die steinerne Zugangstreppe und die an ihr liegenden Sockel mit einer Replik der ursprünglichen Statue des hl. Johann von Nepomuk und dem Torso der Statue des hl. Anton von Padua erneuert. Die Renovierung des Areals wurde von der Gemeinnützigen Gesellschaft Èeské Švýcarsko (Böhmische Schweiz) und der Stadt Èeská Kamenice (Steinschönau) sichergestellt.

Unterhalb des Südhanges der Jehla (Nolde) stand früher ein 10-12 m hoher Felsen, die Malá Jehla (Kleine Nolde), die aber 1886 von den Steinmetzen abgebaut und zu Strassenschotter zerklopft worden ist.

Die Replik der Statue des Todesengels und die Bilder des Kreuzweges im Areal des Brüderaltars. Die Replik der Statue des hl. Johann von Nepomuk.

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