Lausitzer Gebirge
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Pustý zámek - Fredevald
(Wüstes Schloss - Fredewald)

Die Felsklippe des Pustý zámek (Wüstes Schloss), von der Strasse aus gesehen.

Der Felsen Pustý zámek (Wüstes Schloss) ist eine im Tale des Flüsschens Kamenice (Kamnitzbach) etwa 3 km östlich von Èeské Kamenice (Böhmisch Kamnitz) liegende steile Felsklippe (405 m) aus Phonolith. Mit dem benachbarten Bøidlièný vrch (Schieferberg) bildete sie ursprünglich einen zusammenhängenden Phonolithkörper, in dem sich das Flüsschen Kamenice (Kamnitzbach) allmählich eine enge Felsenklamm, die heute beide Berge voneinander trennt, eingeschnitten hat.
Durch die Flusserosion entstand am Pustý zámek (Wüste Schloss-Felsen) eine etwa 50 m hohe Felswand, die im 19. Jahrhundert zum Teil abgebaut werden musste, um Platz für die damals gebaute Strasse zu schaffen. Sie besteht aus riesigen, vier- bis sechsseitigen Phonolithsäulen, deren Länge bis zu 25 m und Dicke bis etwa 1,85 m erreicht. Die Säulen sind am Fusse des Felsens fast waagerecht gelagert, aber nach oben hin werden sie immer steiler, so dass sie wie ein riesiger Fächer aussehen. Zur Sicherung des Schutzes dieses Gebildes wurde es im Jahre 1956 als das Naturdenkmal Pustý zámek ("Wüstes Schloss") ausgewiesen.
Der Felsen ist aber nicht nur geologisch interessant, da sich auf seinen Wänden und den anliegenden Abhängen eine bunte Pflanzengesellschaft entwickelt hat. In den Talpartien mit ihrem kühlen Mikroklima kommen einige montane Arten vor, wie z. B. der Waldgeissbart, die Weisse Pestwurz, das Wollige Reitgras, das Hain-Kreuzkraut oder der Holunderblättrige Baldrian, in der Gipfelgegend dagegen trifft man wärmeliebende Vergesellschaftungen mit dem Glatten Habichtskraut, der Weissen Fetthenne, Blauschwingel und anderen Arten. Interessant sind auch schüttere Bestände von Buchen, Linden und Rüstern mit einem zusammenhängenden Unterwuchs von Wald-Reitgras, oder grosse Populationen der Alpen-Johannisbeere. In der Umgebung halten sich Gemsen auf, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus den Alpen hergebracht und hier ausgesetzt worden sind.

Blick vom Hang des Bøidlièný vrch (Schieferberges) auf die Felsklippe des Pustý zámek (Wüstes Schloss). Die Felswand des Pustý zámek (Wüstes Schloss) mit fächerartig gelagerten Phonolithsäulen.

Fredevald (Fredewald), Überreste der Burgmauern auf der Ostseite der Felsens.

Auf der Felsenklippe haben sich einige wenige Überreste der Burg Fredevald (Fredewald) erhalten, die wahrscheinlich von den Herren von Michelsberg im 13. Jahrhundert zum Schutz der durch das Kammnitztal nach Zittau führenden Handelsstrasse erbaut worden ist. Sie diente auch als Amtssitz der Verwaltung für den östlichen Teil der Herrschaft Scharfenstein, deren Sitz auf der Burg Ostrý (Scharfenstein) von hier zu weit entfernt war. Die erste geschichtliche Erwähnung der Burg stammt aber erst aus dem Jahre 1406, als die Burg bereits Hynek Berka von Dauba gehörte und Zikmund von Slibovitz Burghauptmann war. Nach dem Jahre 1410 kam die Burg mit ihrer Umgebung an Johann (Jan) Berka, unter dem sich das Gebiet um Kamenice auf eine kurze Zeit von der Herrschaft Scharfenstein abtrennte und eine selbstständige Herrschaft wurde. Im Jahre 1428 verkaufte Heinrich (Jindøich) Berka die Herrschaft mit dem Schlosse an Siegmund von Wartenberg, der sie mit der benachbarten Herrschaft Scharfenstein der Herrschaft Dìèín (Tetschen) anschloss. Weil aber Siegmund mit seinen Söhnen Johann (Jan) und Heinrich (Jindøich) wiederholt Raubzüge in die Lausitz unternahmen, zogen die Lausitzer Sechsstädte im Jahre 1440 vor die Burg, belagerten und eroberten sie und letzthin liessen sie sie schleifen. Wenig später wurde die verlassene Burg Fredewald durch die Burg Kamenický hrad (Kempnitz), die neu auf dem Zámecký vrch (Schlossberg) über Èeská Kamenice (Böhmisch Kamnitz) gebaut wurde, ersetzt.

Die Burg stand auf einer Erhebung, die an der nordwestlichen Seite am Fusse der Felsklippe anliegt, Von den anderen Seite war sie von eine halbkreisförmigen Burgmauer mit einem Wallgraben geschützt, durch den jetzt der Zugangsweg vom ehemaligen Forsthaus zur Burg führt. An der Nordseite ist zwischen dem Wallgraben und der Burgmauer eine kleine Plattform, die anscheinend mit einer hölzernen Befestigung versehen war. Von hier kam man in den unteren Teil der Burg, von der sich nur Überreste der Burgmauer und eines rechteckigen Bauwerkes an der südwestlichen Seite erhalten haben.
Die Felsklippe des Pustý zámek (Wüstes Schloss) mit dem Wochenendhaus an seinem Fusse.

Von dem kleinen Burghof führt ein serpentinenförmig sich schlängelnder Pfad bis auf eine längliche Terrasse unterhalb des Gipfels, an deren Rande sich unscheinbare Reste einer Grundmauer befinden. Heute ist nicht mehr zu ergründen, ob hier nur eine Schutzmauer oder die Mauer eines Gebäudes stand, das als Wache dienen konnte. Der auf diesen Felsen führende Pfad ist aber nicht der ursprüngliche, denn er wurde erst im Jahre 1890 vom Böhmisch-Kamnitzer Gebigsverein hergerichtet, der auch die Aussichtsplatform auf dem Gipfel schuf. Von hier ist eine schöne Aussicht in das tiefe Tal des Kamnitzbaches und auf den gegenüberliegenden Bøidlièný vrch (Schieferberg), im Osten erhebt sich der weiter entfernte Støední vrch (Mittenberg) und in westlicher Richtung sieht man flussabwärts bis nach Èeská Kamenice (Böhmisch Kamnitz).

Zum Pustý zámek führt keiner der markierten Wanderwege, nur der Naturlehrpfad durch die Umgebung des Studenec (Kaltenberg) führt nahe vorbei. An der Strasse unterhalb des Felsens stand ehemals ein Forsthaus und eine Gaststätte, von denen aber heute nur noch die Grundmauern erhalten sind. Ein Nebengebäude ist heute als Wochenendhaus ausgebaut worden. Am gegenüberliegenden Fusse des Bøidlièný vrch (Schieferberg) befinden sich die von der Böhmisch-Kamnitzer, in den Jahren 1892 bis 1894 gebauten Wasserleitung eingefassten Quellen. Im Jahre 1924 wurde die Wasserleitung erweitert durch die Einfassung des sog. Guten Borns, der östlich des Pustý zámek (Wüstes Schloss) unterhalb der Strasse liegt. Hier war früher ein anmutig hergerichtetes Ruheplätzchen mit Sitzbänken.

In einem Nebentale etwa 250 m nordwestlich des Wüsten Schlosses befindet sich ein etwa 2 m hoher Sandsteinfelsen, der die alte Herrschaftsgrenze bezeichnet. In seiner Stirnwand sind zwei Kreuze mit der Nummer 7 und den Jahreszahlen 1735 und 1832 eingemeisselt. Etwa 500 m weiter nach Nordwesten auf der Hochebene steht das steinerne Blumberg-Denkmal (Blumbergùv pomník). Die Inschrift an seiner Vorderwand erinnert daran, dass hier am 4. Juli 1833 der Handelsmann Johann Gottfried Blumberg aus dem sächsischen Städtchen Hirschfelde vom berüchtigtem Räuber Babinský überfallen und ermordet wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Denkmal zerstört und erst im Jahre 1998 wurde es renoviert und wieder an seinem ursprünglichen Ort aufgestellt.

Das Blumberg-Denkmal am alten Waldwege von Horní Kamenice (Ober Kamnitz) nach Líska (Hasel). Grenzsteinfelsen unterhalb des Pustý zámek (Wüstes Schloss) -Felsens.

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