Lausitzer Gebirge
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Ukrainische Friedhof bei Lada
(Ukrainische Friedhof bei Laaden)

Gesamtansicht des Friedhofs mit dem Denkmal aus dem Jahre 1921.

Der Ukrainische Friedhof (auch der Russische genannt) wurde während des Ersten Weltkrieges am Waldrande etwa 400 m östlich der Gemeinde Lada (Laaden) bei Jablonné v Podještìdí (Deutsch-Gabel) errichtet. Er diente dem Gefangenenlager, dessen Aufbau am 2. November 1914 auf den Feldern nördlich des Bahnhofes begonnen wurde. Nur drei Wochen später kamen die ersten Transporte an und bis Ende November waren hier etwa 4000 Kriegsgefangene, überwiegend Russen, untergebracht. Bis Weihnachten stieg ihre Zahl auf 4800. Im Jahre 1915 dauerte die Einlieferung von russischen Kriegsgefangenen an, es erschienen hier aber auch Franzosen, Serben, Italiener und Engländer. Im Juni waren hier insgesamt 12 Tausend Mann untergebracht, die zu Hilfsarbeiten in der Landwirtschaft oder im Wald eingesetzt wurden. Nach dem Abschluss des Friedens von Brest-Litevsk am 4. März 1918 bekamen die Gefangenen Bewegungsfreiheit und konnten, ehe sie gegen österreichische Soldaten aus der russischen Kriegsgefangenschaft ausgetauscht wurden, frei in die Stadt Jablonné (Deutsch-Gabel) ausgehen. Nach dem 28. Oktober 1918 wurde das Lager aufgelöst und die Gefangenen wurden nach und nach zurückgefürt.
Ende 1917 wurde in einem Teil des Lagers ein Lazarett für österreichische Verwundete eingerichtet, nach dessen Erweiterung im Juni 1918 hier etwa 600 Soldaten betreut wurden. Noch am 25. Juni kam hier ein weiterer Transport von auf dem italienischen Kampfplatz um Trient verwundeter oder erkrankter Soldaten an und in dem Masse, als die Räumung des Gefangenenlagers fortschritt, nahm das Hospital allmählich volle zehn Baracken ein. Ende 1918 wurde das Lazarett geräumt und wurde aufgelöst.
Das Areal des Lagers diente aber weiter, denn schon am 30. Mai 1919 wurden hier 4700 Soldaten und Offiziere der Ukrainischen Brigade untergebracht. Dieser Brigade drohte im Gebiet von Galizien, von der polnischen Armee eingekesselt zu werden und sie trat daher auf tschechoslowakisches Gebiet über, wo sie entwaffnet und dann in den Lagern Josefov und Jablonné interniert wurden. Bei ihnen handelte es sich nicht um Gefangene, die ukrainischen Soldaten wurden als Gäste behandelt und hatten völlige Bewegungsfreiheit. Leider brachten sie den Typhus mit, dessen Ausbreitung aber schnell verhindert werden konnte, sodass daran nur fünf Personen starben. Durch einen zweiten Transport stieg die Zahl der hier internierten bis auf 6000. Der Aufenthalt der Ukrainer in Jablonné endete im Oktober 1921, als sie in die Festung Josefov übergeführt wurden. Erst dann wurde das Lager aufgelöst, die Baracken wurden abgerissen und das Holz an Interessenten verkauft.
Der Friedhof nach der Renovierung im Jahre 2008. Die Gefangenen im Lager litten zwar nicht an außergewöhnlichem Hunger oder schwerer Arbeit, aber wegen der schlechten Umstände, an Verwundungen und Krankheiten sind hier doch mehr als 100 Gefangene gestorben. Auch im Laufe der Unterbringung der ukrainischen Brigade starben in späteren Jahren über 20 Soldaten an Typhus. Schon im Dezember 1914 wurde deshalb im Wald oberhalb der Gemeinde Lada ein Friedhof gegründet, auf dem die Gestorbenen begraben wurden. Dadurch entstand eine ungewöhnliche Begräbnisstätte, in der die Gräber entsprechend dem Glauben des Toten mit einem lateinischen oder griechischen Kreuz, an dem eine Blechtafel mit dem Namen angebracht war, bezeichnet sind. Den gestorbenen Juden wurde ein aus Steinen bestehender Grabhügel errichtet. Im Jahre 1918 wurde den russischen Gefangenen in der Mitte des Friedhofes ein Denkmal aufgestellt und auch die Ukrainer haben vor ihrem Abschied im Jahre 1921 am Friedhof ein Mahnmal aus Granit mit der Statue eines ukrainischen volkstümlichen Sängers mit der Kobsa und den Versen des ukrainischen Nationaldichters Taras Ševèenko (1814-1861): "Der Ruhm wird nicht vergehen, er wird in Sagen durch die Welt gehen und überall wird erzählt werden, was geschehen ist, wo die Wahrheit und wo Unrecht geschah und was für Kinder unserer Zeit wir eigentlich gewesen sind."
Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Friedhof nicht mehr instandgehalten und verfiel daher allmählich. Die ursprünglichen Kreuze verschwanden oder wurden vernichtet und die Gräber wurden von einem dichten Gebüsch überwuchert. Erst im Herbst 2008 wurde die Fläche des Friedhofs mit finanzieller Unterstützung des Verteidigungsministeriums der ÈR neu gesäubert und hergerichtet, die einzelnen Gräber wurden mit Kreuzen bezeichnet und das Gelände mit einem Holzzaun umfriedet.

Das Denkmal der russischen Gefangenen aus dem Jahr 1918. Das Denkmal der Ukrainer von 1921.

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