Krásný Buk
(Schönbüchel)

Krásný Buk (Schönbüchel) liegt im Tal des Křínice- (Kirnitzsch-) Baches etwa 1,5 km nordwestlich vom Zentrum der Stadt Krásná Lípa (Schönlinde), mit der es unmittelbar zusammenhängt und heute zu ihrem Bestandteil geworden ist. Das Gründungsjahr des Dorfes ist unbekannt. Als zwischen 1265 und 1280 die ausgedehnte Herrschaft der Familie Ronov (Rohnau) unter ihre Söhne geteilt wurde, kam die Umgebung von Schönlinde an die Grenze der Besitztümer der Herren von Leipá, was offensichtlich der Grund zum Bau der Burg Krásný Buk (Schönbüchel) war. Ihr ältester bekannte Besitzer war Jindřich z Lipé (Heinrich von Leipa), der 1319 seine nordböhmischen Besitze mit dem König gegen andere Besitze in Mähren austauschte. 20 Jahre später wurde die Burg aber von den Zittauern eingenommen und vernichtet.
Das Dorf Krásný Buk (Schönbüchel) konnte zu gleicher Zeit wie die Burg um das Jahr 1275 oder auch später entstanden sein, denn seine erste schriftliche Erwähnung stammt erst aus dem Jahre 1485. Damals bestand das Dorf nur aus vier Bauernhöfen. Vom Jahre 1481 an gehörte die Herrschaft Tollenstein den Herren von Schleinitz, die die Entwicklung des Handels und des Handwerkes unterstützten. Unter deren Herrschaft siedelten sich im Dorfe 5 Chalupner und 5 Kleinhäusler an und im Jahre 1566 bestand hier auch schon eine Mahlmühle und eine Sägemühle. Im Jahre 1573 kam die Umgebung von Krásná Lípa (Schönlinde) zusammen mit Krásný Buk (Schönbüchel) zur Herrschaft Kamenice (Böhm. Kamnitz), die im Jahre 1614 Radslav der Ältere von Vchynice und Tetov kaufte. Der Adelsfamilie Kinsky gehörte dann die Herrschaft bis zur Aufhebung der herrschaftlichen Verwaltung im Jahre 1848.
In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wird in Krásný Buk ein Mahlmüller, ein Garnbleicher, 3 Siebmacher und 14 Hausierer angeführt. Später entwickelte sich hier auch die Zwirnerei und Manufaktur, um deren Aufstieg sich hauptsächlich Graf Philip Josef Kinský verdient gemacht hat. Im Jahre 1833 hatte Kráný Buk (Schönbüchel) bereits 67 Häuser, in denen 522 Einwohner lebten. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts begann sich hier die industrielle Produktion zu entfalten. Die bekannteste Fabrik im Dorfe war die Baumwollewirkwarenfabrik, deren Eigentümer Gustav Adolf Jäger war. Es wurden hier Strümpfe, Socken, Jacken, Nachthemden und Herrenunterhosen, für die sich unter den Käufern die Bezeichnung „jegrovky“ eingelebt hat, hergestellt. Nach dem 2. Weltkriege wurde die Fabrik geschlossen, später diente sie als Lagerhaus und um das Jahr 2005 wurde sie abgerissen. Die benachbarte Jäger´s Villa verlor in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts durch einen gefühlslosen Umbau, bei dem das reichgegliederte Dach mit geschmückten Giebeln und Dacherkern durch einen unansehnlichen Aufbau ersetzt wurde, viel von ihrer Schönheit. Im ehemaligen kleinen Park gegenüber der Villa steht ein heute noch funktionierender steinerner Springbrunnen aus dem Jahr 1823, in dessen Nähe sich früher ein Ausflugsrestaurant befand.

Seit dem Jahre 1800 war im Hause No. 42 die Schule, die später um eine zweite Klasse, die man im nahen Haus No. 39 unterbrachte, erweitert wurde. Im Oktober 1884 wurde der Grundstein zu einer neuen Schule gelegt, die am 20. September 1885 feierlich eröffnet wurde. Sie diente ihrem Zwecke bis zum Jahre 1972, in dem sie geschlossen wurde. Im Jahre 1910 erreichte Krásný Buk (Schönbüchel) mit 584 Einwohnern seine höchste Einwohnerzahl. Noch in den 30er Jahren hatte die Gemeinde etwa 500 Einwohner, nach dem 2. Weltkrieg sank aber diese Zahl auf 300 und heute haben nur noch etwa 90 Menschen ihren dauernden Wohnsitz hier.

In der Gemeinde hat sich eine Reihe interessanter Häuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert erhalten. Im westlichen Teil des Ortes steht das gut erhaltene Umgebindehaus Nr. 44 mit einem Fachwerkgiebel. An der Straße nach Kyjov steht das zweistöckige Fachwerkhaus Nr. 1 mit einem Mansarddach, an dessen Eingangsportal die Jahreszahl 1770 eingemeißelt ist. In diesem Hause befand sich eine der grössten hiesigen Bleichereien und nach einer Rekonstruktion entstand in ihm das Pension Na Bělidle (= Auf der Bleiche). Interessant ist auch die aus Ziegeln erbaute Villa No. 83, die sich der hiesige Sägemühlbesitzer Alfred Hieke erbauen liess. Nach der Überlieferung war dieses Haus für die Firmenkanzleien bestimmt, es gefiel der Frau des Besitzer aber so gut, dass sie es für sich zum Wohnen bestimmte. Schön war auch das Fachwerkhaus Nr. 14 mit Mansarddach und einem Steinportal mit der Jahreszahl 1790 in der Ortsmitte, das aber im Juli 2017 abbrannte.
Am Westrande der Gemeinde ragt über das Tal des Krinitzschbaches der bewaldete Zámecký vrch (Schlossberg) mit den Überresten der Burgruine Krásný Buk (Schönbüchel) herauf.

In Krásný Buk wurde der Komponist Anton Philip Heinrich (1781 - 1861) und der Textilfabrikant Johann Josef Grohmann (1792 – 1873) geboren. Auf dem hiesigen Friedhof ist der langjährige Vorsitzende des Gebirgsvereines für das nördlichste Böhmen Dr. Johann Hille (1852 - 1925) begraben und in der Gruft der Familie Zweigelt ruht der Musikpädagoge und Komponist August Stradal (1860 - 1930).

Weitere Informationen

Text: Jiří Kühn; Übersetzung: Petr Kühn und Björn Ehrlich, März 2022.